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Peking: "Perversion des Nobelpreisgedanken"

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Peking: "Perversion des Nobelpreisgedanken"

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In einer schriftlichen Erklärung hat das chinesische Außenministerium am Freitag die Verleihung des Nobelpreises an Liu Xiaobo scharf verurteilt. Liu sei “ein rechtskräftig verurteilter Krimineller”. Mit der Verleihung werde das Ziel des Preises pervertiert und den chinesisch-norwegischen Beziehungen Schaden zugefügt. Satelittenfernsehsender, die die Bekanntgabe des Preises live übertrugen, wurden gestört.

In Peking hinderte ein großes Polizeiaufgebot Journalisten daran, den Apartmentkomplex zu betreten, in dem die Frau des Nobelpreisträgers wohnt. Auch Journalisten, die eine Einladung vorweisen konnten, wurden nicht durchgelassen. Über Telefon äußerte sich Liu Xia hoch erfreut über die Verleihung des Friedensnobelpreises an ihren Mann. Sie sei glücklich, könne aber nicht herauskommen, weil sie mit der Polizei in ihrer Wohnung feststecke. Am Wochenende darf sie ihREn Mann im Gefängnis in der Provinz LiaoNing besuchen.

Die chinesische Bevölkerung reagierte verhalten:
“Seine Auszeichnung fördert die Sache des Weltfriedens und des demokratischen Prozesses in China. Jedes Land will diesen Weg beschreiten. Warum hindert man uns daran. Er rebellierte dagegen und musste ins Gefängnis”, sagte ein Passant in Peking, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Westliche Regierungen begrüßten die Preisvergabe und forderten die Freilassung des Dissidenten. Der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso sprach von einer “starken Botschaft der Unterstützung” für alle, die sich mit großem persönlichen Einsatz für Freiheit und Menschenrechte einsetzten.