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Chile: die medizinischen Probleme der Rettung aus 624 Metern Tiefe

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Chile: die medizinischen Probleme der Rettung aus 624 Metern Tiefe

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So nah ist die Rettung, so groß die Hoffnung.
Im Camp der Retter und der Angehörigen zählen sie schon die Stunden, bis die sehnsüchtig erwartete Aktion beginnen kann.
Von diesem Turm wird die Winde die Rettungskapsel hinunterlassen, in der die Kumpel dann einzeln ans Tageslicht gezogen werden.
Die größte Sorge der Retter gilt derweil der Gesundheit der Verschütteten.
Alejandro Pino vom Ärzteteam erklärt, am schlimmste wäre es jetzt, wenn einer da unten
eine Nierenkolik oder einen entzündeten Blinddarm bekäme.

Seit die Verbindung zu den Eingeschlossenen hergestellt ist, werden sie auch mit medizinischem Material versorgt.
Sie haben Armbänder bekommen, ähnlich den handellsüblichen Modelle zur Blutdrucküberwachung.
Hier, so erklärt der Fachmann vom Rettungsdienst, können Herz- und Atemrhythmus gemessen werden.
Die wichtigste Maßnahme überhaupt heisst:
die Moral hochhalten. Wenn die Männer in ihrem steinernen Gefängnis beschäftigt werden mit Aufgaben, die ihnen die Ärzte von oben stellen, dann haben sie keine Zeit, trübe oder ängstliche Gedanken zu entwickeln.
Von oben bekommen sie in den Versorgungspäckchen seit Sonntag auch Aspirin, um die Blutgerinnung herabzusetzen. Der lange Aufenthalt in der Tiefe könnte den Blutdruck steigen lassen. Sechs Stunden, bevor sie in die enge Rettungskapsel steigen, bekommen sie ein Mittel, das Übelkeit und Erbrechen vorbeugen soll. Die NASA hat es für Astronauten entwickelt.
Die Kapsel, in die sie dann steigen, ist mit Mikrofon, Lautsprecher und Flaschen zur Versorgung mit Atemluft ausgestattet, die rund 90
Minuten vorhalten. Die Fahrt aus einer Tiefe von 624 Metern nach oben soll jeweils 25 Minuten dauern. Insgesamt ist pro Gerettetem eine Stunde veranschlagt.
Franco Utili von der katholischen Univerität warnt vor den psychischen Belastungen, die die Männer auch hinterher noch zu überstehen haben. Oben erwarten sie nach der Rettung Schlafstörungen, Albträume und Angstattaken. Die Erinnerung an die erlebten Schrecken könne noch lange zurückkehren.

Im Augenblick aber überwiegt auch unter der Erde der Optimismus. Sicher hat man ihnen gesagt, wie viele Bergleute mit diesem 1955 im deutschen Gelsenkirchen entwickelten Gerät schon gerettet wurden. Das jetzt in Chile eingesetzte Gerät mit Namen “Phönix” ist eine Weiterentwicklung der sogenannten Dahlbusch-Bombe, einer lebensrettenden Metallröhre, mit der verschüttete
Bergmänner wieder an die Oberfläche geholt wurden. Ingenieure der Zeche Dahlbusch in Gelsenkirchen hatten das Gerät 1955 entwickelt.
Weitere Rettungsaktionen mit der Stahlkapsel folgten 1956 und 1957. Die spektakuläre Rettung von Kumpeln im niedersächsischen Lengede
1963 machte die Dahlbusch-Bombe weltweit bekannt – ähnlich wie das Unglück in Chile nun “Phönix”.