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Friedensnobelpreis - ein politisches Bekenntnis

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Friedensnobelpreis - ein politisches Bekenntnis

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In Hongkong feiern sie den chinesischen Friedensnobelpreisträger mit Rufen nach Demokratie für China.
Die Vergabe des Friedensnobelpreises war immer schon eine politische Entscheidung.
Man erinnere sich an den deutschen Humanisten Carl von Ossietzky, der im Konzentrationslager Sachenhausen inhaftiert war, als 1936 das Nobelpreiskomitee ihm den Preis zuerkannte.

Am “Platz des himmlischen Friedens” in Peking erinnert heute nichts an den diesjährigen Preisträger, der im Juni 1989 sich hier für die Reformen fordernden Studenten einsetzte.
Ein zufällig angesprochener Passant auf der Straße weiss nichts von seinem weltweit geehrten Landsmann. Friedensnobelpreis für einen Chinesen ? Das hält er für unmöglich.
Die Studentin ist besser informiert.
Und sie ist stolz darauf, dass eine Chinese für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte geehrt wird.
Die Kommentatoren der offiziellen Medien der Volksrepublik sehen das natürlich anders.
Da wird etwa in der englischsprachigen “Global Times” die Preisverleihung an einen Dissidenten “als Ausdruck der Vorurteile” gewertet, die der Westen gegenüber China hege. Der Vorurteile gegenüber einem Land, das enorme wirtschaftliche und soziale Fortschritte zu verzeichnen habe. Im Text heisst es, würde man den Ideen des Preisträgers folgen, würde China zusammenbrechen wie die Sowjetunion oder das ehemalige Jugoslawien. Das Nobelpreiskomitee wird als “paranoid” bezeichnet.
Und in der ebenfalls englischsprachigen “China Daily” ist gar von einer “Verschwörung” und von einer “Provokation” die Rede.
Es ist nicht das erste mal, dass ein Nobelpreis in Peking zum Politikum wird.
Vor 10 Jahren bekam Gao Xingiang den Literatur-Nobelpreis. Der Schriftsteller hatte schon 1987 die Volksrepublijk verlassen, ein Jahr, nachdem seine Bücher verboten worden waren.
Und die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama 1989 bezeichnete die Pekinger Führung “als Einmischung in innere Angelegenheiten.”