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Die Hoffnung in der Atacamawüste

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Die Hoffnung in der Atacamawüste

Die Hoffnung in der Atacamawüste
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Das Lager trägt den Namen “Esperanza” – Hoffnung.
Die Angehörigen der 33 eingeschlossenen Bergleute machen sich hier gegenseitig Mut. Diesen Ort wollen sie nur mit ihren Männern, Brüdern, Söhnen zusammen verlassen.
Um die 2.000 Journalisten berichten inzwischen in alle Welt, wie sie hier leben – zwischen Hoffnung und Angst.
Die Familie von Mario Gomez zum Beispiel.
Er ist mit 63 der Älteste unter den Verschütteten.
17 Tage Verzweiflung hatten sie zu ertragen, ehe am 22. August der erste Brief aus der Tiefe eintraf.
Darin machte er seiner Frau Lilian Mut.
Die sagt nun, sie möchte hier einen großen, wunderschönen Schrein für die Heiligen errichten, an dem die Menschen Gott danken können, Gott, der Jungfrau und allen Heiligen, die der Familie Halt gegeben haben. Sie nennt es “ein Wunder”, dass alle 33 Kumpel am Leben sind.

50 Kilometer entfernt, in einem Vorort von Copiapo, sprechen sie auch von “einem Wunder”. Johnny Quispe arbeitete gerade seit drei Monaten in der Mine “San José”, als das Unglück geschah.
Ihm stecke der Schreck immer noch in den Knochen, sagt er. Er hätte auch unter den Opfern sein können. Er beschuldigt die Besitzer der Mine, die Arbeiter leichtfertig einem hohen Risiko ausgesetzt zu haben. “Die haben nur ans Geld gedacht”, sagt er verbittert, “das sind Leute ohne jeden Schimmer von Menschlichkeit.”
Johnny stammt aus Bolivien. Er zeigt das Foto seines Schwiegersohnes Carlos Mamani, Vater einer kleinen Tochter. Der Bolivianer Carlos ist der einzige Ausländer unter den Verschütteten.
Wenn es dunkel wird im Camp rücken sie noch enger zusammen, stellen sich vor, wie ihre Lieben in einem viel bedrohlicheren Dunkel ausharren.
Und sie machen Pläne für die Zeit danach, Pläne, wie sie die Rettung feiern wollen.
Jessica ist seit 25 Jahren verheiratet, zivil, ohne Kirche. Aber wenn ihr Mann heimkommt, dann möchte sie ihn noch einmal heiraten, diesmal in der Kirche, vor allen Kindern und Enkeln.