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Phönix: mit der chilenischen Rettungskapsel ans Licht

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Phönix: mit der chilenischen Rettungskapsel ans Licht

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Nach der fünften Reise mußten an der Rettungskapsel die Rollräder nachjustiert werden – sie dienen dazu, Stöße gegen die Tunnelwand abzufedern. “Fénix” – oder Phönix – haben die Chilenen die in den Nationalfarben rot-weiß-blau gestrichene Kapsel genannt – in Anlehnung an den Vogel der griechischen Mythologie, der verbrennt, um sich aus seiner Asche neu zum Leben zu erheben.

Nach ein paar Reparatur-Handgriffen, wurde noch der Sauerstoff nachgeladen und dann ging es zum sechsten Mal die 622 Meter hinunter in die Tiefe.

Der Rettungstunnel hat einen Diameter von nur 53 Zentimetern – gerade genug für die Schulterbreite eines Mannes. Bis in 96 Meter Tiefe mußte der Tunnel mit Stahlröhren ausgkleidet werden – die Techniker befürchteten, dass in den relativ instabilen oberen Gesteinsschichten sonst durch die Stöße des Aufzugs Teile abbröckeln könnten.

Den restlichen halben Kilometer geht es dann durch die Röhre, so wie sie gebohrt worden war. Mit der ersten Fahrt war ein Sanitäter zu den eingeschlossenen Kumpeln gebracht worden – er hatte dann entschieden, in welcher Reihenfolge die Bergarbeiter ans Tageslicht gebracht werden.

Etwas mehr als 16 Minuten dauert die reine Fahrtzeit. Bevor der Aufstieg beginnt, bekommen die Bergleute ein sehr kalorienreiches Getränk, das von der US-Weltraumbehörde Nasa stammt und Übelkeit vorbeugen soll. Nach einer ersten medizinischen Untersuchung und einem kurzen Kontakt mit ihren Angehörigen werden die Kumpel ins 40 Kilometer entfernte Krankenhaus von Copiapó gebracht.

Die Kapseln, von denen es drei gibt, sind eine Weiterentwicklung der legendären Dahlbusch-Bombe. Sie war von Ingenieuren der Zeche Dahlbusch in Gelsenkirchen entworfen worden und wurde durch das Grubenunglück im niedersächsischen Lengede 1963 weltweit bekannt.