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Reporterin: "Das wird das Leben der Bergleute durchwirbeln"

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Reporterin: "Das wird das Leben der Bergleute durchwirbeln"

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Claudia la Torre ist eine Journalistin von 2.000 Berichterstattern, die die Rettung der chilenischen Bergleute verfolgt haben, Minute für Minute. Damit nicht genug – Claudia kommt aus Copiapó. Die Fragen stellte Leire Otaegi.

euronews:
“Claudia, die Bergleute kommen nach und nach im Krankenhaus an, wie ist die Stimmung an diesem großen Tag ?”

Claudia la Torre:
“Es ist überwältigend, die Spannung hier bei den Menschen, die Neugier, diese Sehnsucht, die Bergleute im Krankenhaus ankommen zu sehen – lebend. Es ist ein Wunder, was da passiert, und jeder will in diesem historischen Moment unbedingt dabeisein.”

euronews:
“Wie geht es den Familien, die das erste Wiedersehen bereits hinter sich haben und den anderen, die noch warten ?”

Claudia la Torre:
“Die einen sind überwältigt, haben Tränen in den Augen. Ich habe das gestern mitbekommen beim ersten Überlebenden. Das hat keinen kaltgelassen, mich auch nicht. Ich konnte ihre Emotionen nachfühlen, weil ich von hier bin und die Arbeit der Bergleute verstehe – da unten lebendig begraben zu sein, das macht eine Riesenangst.

Bevor der Presserummel losging, wurde hier viel geweint. Das haben die Medien dann verbreitet. Die Medien waren sehr wichtig, wegen der Informationen. Aber es gibt auch Grenzen. Gestern haben Angehörige der Bergleute die Medien gebeten, ihre Berichterstattung zu stoppen. Sie wollten ihre Privatsphäre schützen.

Die vielen Kameras, die Beleuchtung – das war ihnen alles zu viel. Das alles hat mir sehr leidgetan. Die Mutter des ersten geretteten Bergmanns hat die Journalisten richtig angeschrien, sie sollten endlich aufhören. Sie hat versucht, ihn in den Arm zu nehmen und kam gar nicht heran. Da mußte ich dann weg. Ich hatte den Eindruck, die Journalisten waren zu Kameras geworden und hatte aufgehört, Menschen zu sein.”

euronews:
“Claudia du kommst aus diesem Land, sogar aus der Gegend – Copiapó. Wird dieses Erlebnis Chile weiter verändern ?”

Claudia la Torre:
“Ja, und zwar grundlegend. Aus dem ruhigen Städtchen ist schon ein Ameisenhaufen geworden. Und das Ereignis wird das Leben der Bergleute durchwirbeln, sie werden ihre gewohnte Ruhe nicht mehr finden. Das sind sehr besonnene Leute. Denen kommt einer schon komisch vor, wenn er nur ein bißchen viel redet.

Ihr Leben wird sich ändern, hoffentlich in positivem Sinn. Möglich, dass es so kommt. Sie werden Geld bekommen und ich hoffe, sie werden das genießen können – sie haben es verdient.

Andererseits wird die Regierung aktiv werden und Gesetze ändern. Ich kann mir vorstellen, dass Vieles anders wird – und ich hoffe, in positivem Sinn.”

euronews:
“Letzte Frage, Claudia: Was wird aus der Mine San Jose, wenn erst einmal alle Kumpel befreit sind und die Kameras abgeziehen aus der Atacama-Wüste ?”

Claudia la Torre:
“Da gibt es die Vermutung, dass man alles so läßt wie es ist, um zu zeigen, wie sie überlebt haben. Die kalten Nächte, das karge Leben. Hoffentlich wird hier nichts verändert. Das wollen die Leute von Copiapó auch – eine historische Gedenkstätte.”