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Welthungerbericht sagt: eine Milliarde Menschen hungern!

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Welthungerbericht sagt: eine Milliarde Menschen hungern!

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In der vergangenen Woche hat die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung, (FAO), den “Welthungerbericht “ vorgelegt.
Aus diesem Anlass sprechen wir mit dem stellvertretenden Generaldirektor dieser UN-Organisation, Hafez Ghanem
Herr Ghanem, seit einigen Monaten registrieren wir das Ansteigen der Getreidepreise, um mehr als 60 Prozent bei Weizen, um mehr als 40 Prozent bei Mais. Angebot und Nachfrage aber bleiben stabil.
Wie erklären Sie das?

Hafez Ghanem
Der Preisanstieg begann Ende Juli im Zusammenhang mit der Trockenheit in Russland.
Diese Trockenheit war der Grund dafür, dass in Russland die Erträge sanken. Man weiss schließlich, dass Russland einer der weltgrößten Weizenexporteure ist. Es folgten bestimmte politische Entscheidungen. Zum Beispiel jene, den russischen Export zu begrenzen. Und schließlich wurde in der vergangenen Woche auch ein Rückgang der Produktivität aus den USA gemeldet, der Weizen und Mais betrifft. Sie haben Recht, weltweit betrachtet sind Angebot und Nachfrage ausgewogen, vor allem weil es zu Jahresbeginn sehr hohe Lagerbestände gab.

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Welche Länder sind als erste von diesem Preisstieg betroffen ?

Hafez Ghanem
In Situationen wie diesen trifft es immer zuerst die Ärmsten, die Verletzlichsten, jene, die Nahrungsmittel einführen müssen, vor allem Länder in Afrika und Asien. Heutzutage sind 16 Prozent der Weltbevölkerung unterernährt, dazu gehören 30 Prozent der Bewohner Afrikas. Wir hoffen jetzt, dass es einen gewissen positiven Effekt geben kann. Nämlich wenn dieser Preisanstieg die Produzenten vor allem in den entwickelten Ländern dazu animieren kann, mehr zu produzieren, ihre Produktivität zu erhöhen.

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Was bewirkt die weltweiten Krise?

Hafez Ghanem
Die hat zwei Auswirkungen. Da ist zunächst die direkte Auswirkung auf das Einkommen der Haushalte, vor allem jener in den armen Ländern. Wegen sinkender Wirtschaftsaktivitäten, wegen des Verlustes von Arbeitsplätzen bewirken die sinkenden Einkommen ein Anwachsen von Armut und Hunger. Im vergangenen Jahr, 2009, litten weltweit ungefähr eine Milliarde Menschen unter Hunger. Das wurde durch die Finanzkrise bewirkt und auch durch die hohen Nahrungsmittelpreise.