Eilmeldung

Eilmeldung

Hayrünnisa Güls verhüllter Kopf entzweit die Türkei

Sie lesen gerade:

Hayrünnisa Güls verhüllter Kopf entzweit die Türkei

Schriftgrösse Aa Aa

Es geht um einen Quadratmeter Stoff, mit Gefühlen aufgeladen wie eine Nationalflagge: Die Türkei streitet über das Kopftuch.

In dem seit Staatsgründer Kemal Atatürk strikt laizistischen Staat hatte die türkische Hochschulbehörde (YÖK) das Kopftuchverbot in Universitäten aufgeweicht.

Das fand Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya “gefährlich.”

Darauf der Präsident der türkischen Nationalversammlung, Mehmet Ali Şahin:
“Ich erwarte von ihm, diese Erklärung unverzüglich zurückzunehmen und sich bei der türkischen Nation und dem Parlament, das die Nation vertritt, zu entschuldigen.”

Viele klassische Koraninterpreten sind der Ansicht, dass es für Musliminnen eine religiöse Pflicht zum Tragen eines Kopftuches oder einer anderen Verschleierung (Hijab) gebe – explizit steht das aber nicht in der religiösen Schrift.

Bisher mussten Studentinnen an der Uni-Pforte die Kopftücher ablegen. Nun werden sie bei einem Verstoß nicht mehr aus dem Hörsaal verwiesen.

Inzwischen ist die Diskussion an der Staatsspitze angekommen. Besser gesagt, die wurde dort angefacht.

Beim Besuch des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff Anfang der Woche schritt Hayrünnisa Gül, Ehefrau des Präsidenten Abdullah Gül aus dem Lager der regierenden islamisch-konservativen „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ AKP und bisher zurückhaltend bei öffentlichen Auftritten, die Ehrenformation mit ab – auf dem Kopf ein Tuch.

Die politische Türkei hielt den Atem an.
Christian Wulff war bis zum Präsidentenamt aktiv in der regierenden christlich-konservativen CDU – seither ruht die Mitgliedschaft.