Eilmeldung

Eilmeldung

Fronten in Frankreich bleiben verhärtet

Sie lesen gerade:

Fronten in Frankreich bleiben verhärtet

Schriftgrösse Aa Aa

Der Start in die Herbstferien an diesem Samstag ist den Franzosen weitgehend gesichert: Die Autobahntankstellen sind beliefert. Nur im Westen und in der Pariser Region sitzt noch gut ein Drittel der Tankstellen auf dem Trockenen. Laut Bahnunternehmen SNCF fahren achtzig Prozent der Hochgeschwindigkeitszüge, der Nahverkehr funktioniert zur Hälfte.
 
Der Unmut bei den Bürgern bleibt: “Die Lage bessert sich nicht. Wir bekommen ein bisschen  Benzin. Im Nahverkehr herrscht Chaos, die Züge sind voll, die Leute werden aggressiv. Alle haben die Nase voll. Aber ich glaube nicht, dass der Staat deswegen nachgibt!” klagt eine Pariserin.
 
Und so verabschiedete der Senat dann auch ungeachtet der Proteste gestern Abend die Rentenreform mit 177 zu 153 Stimmen. Nun wird ein Vermittlungsausschuss beider Parlamentskammern das endgültige Gesetz ausarbeiten, das dann voraussichtlich am Mittwoch verabschiedet werden soll. Es erhöht das Renteneintrittsalter von 60 auf frühestens 62 Jahre.
 
Die Regierung demonstriert im Angesicht der landesweiten Proteste Stärke: In der Raffinerie Grandpuits, die die Pariser Region versorgt, hat sie die streikenden Mitarbeiter ein zweites Mal zur Arbeit zwangsverpflichtet, obwohl ein Gericht dies zwischenzeitlich für illegal erklärt hatte.
 
Ähnlich wie die anderen Raffinerien des Landes war Grandpuits seit Tagen blockiert. Am Freitag verschaffte sich der zuständige Präfekt mit Polizeigewalt Zugang, um wieder Tanklastwagen beladen zu lassen. Dabei wurden drei Streikende verletzt.  
 
In den Augen der Gewerkschafter skandalös. Und auch ein Gericht sah das Vorgehen als illegale Verletzung des Streikrechts  an. Der Präfekt verhängte nach dem Urteil eine zweite Arbeitsverpflichtung.
 
“Die Mitarbeiter von Grandpuits streiken dieses Wochenende weiter”, bekräftigt hingegen ein Gewerkschafter, “und am Montag werden wir gegen die Zwangsverpflichtung wieder vor Gericht gehen.”