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Tatew - Die Wiederbelebung eines Wahrzeichens Armeniens

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Tatew - Die Wiederbelebung eines Wahrzeichens Armeniens

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Das aus dem neunten Jahrhundert stammende Kloster Tatew im Süden Armeniens war während des Mittelalters das spirituelle und kulturelle Zentrum Armeniens. Hier lebten und arbeiteten nicht nur rund 500 Mönche, im 14. Jahrhundert beherbergte es auch eine Universität, an der Religion, Wissenschaft und Literatur gepflegt wurden. Die imposanten Mauern umschließen drei Kirchen und sowie mehrere Denkmäler. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurde eine acht Meter hohe achteckige Säule errichtet, die von einem Kreuz gekrönt ist. Das Einzigartige des Bauwerks besteht darin, dass es bei Erdbeben oder wenn sich eine feindliche Reiterarmee näherte, in Schwingungen geriet. So bebte die Säule besonders heftig, als 1931 eine Erderschütterung schwere Schäden an dem Kloster verursachte. “Nach dem Erdbeben von 1931 wurden an dem Kloster wiederholt Reparaturen durchgeführt. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, gegen Ende der Sowjetära, wurde es vollständig restauriert, leider ohne Sachkenntnis. Es wurden schwere Fehler gemacht, Wasser drang ein”, erläutert Pegor Papazian, Vorsitzender der Stiftung, die sich mit der Wiederherstellung des Klosters und der Region befasst. So wurden unter anderem der Glockenturm, die Kuppel der Peter-und-Paul-Kirche sowie der obere Teil der Schutzmauer unsachgemäß restauriert.

Gaiane Casmati zählt zu dem Expertenteam, dem die Restaurierung des wertvollen Denkmals obliegt. Gaiane lebt in Armenien und in Italien. In ihrer Heimat ist sie für das Mailänder Zentrum für armenische Studien tätig. Gaiane Casnati, eine Mailänder Expertin, erklärt: “Das Kloster hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Von seiner Errichtung bis heute ist es wiederholt durch Erdbeben und feindliche Angriffe zerstört worden. 1920 wurde es aufgelassen. Heute versucht die Kirche, diese Einrichtung erneut zu dem zu machen, was sie im Verlauf von Jahrhunderten war: zu einem Wahrzeichen Armeniens. Einer der ersten Restaurierungs-Eingriffe betrifft die Zement-Lecks, die nach den Reparaturarbeiten in den 1980-er Jahren entstanden. Die Qualität des damals verwendeten Zements entsprach nicht, er floß und fließt über die Wände und hat inzwischen selbst alte Inschriften überdeckt. Der gleiche Zement führte zu Salzablagerungen an den Wänden, die den Stein angegriffen haben.” Große Aufmerksamkeit wird der Wiederherstellung des Innenraums der Peter-und-Paul-Kathedrale geschenkt. Ursprünglich waren die Wände mit Fresken bedeckt. Vor dem Erdbeben von 1931 waren sie noch erhalten, wie auf alten Fotos zu sehen ist. Eine der Fresken stellte Christus umgeben von Propheten und Heiligen dar. Heute sind die Fresken kaum noch zu sehen. Ebenfalls zu Sowjetzeiten wurde der Boden mit bunten Marmorplatten restauriert, die im Widerspruch zum Rest der Kirche stehen. Sie müssen durch Steinplatten ersetzt werden. Die Restaurierung des Klosters Tatew ist jedoch nur Teil eines größeren Projekts, bei dem es um die Entwicklung einer touristischen Infrastruktur geht. Dazu gehören die Dörfer in der Umgebung sowie eine neue Seilbahn, die zum Kloster führt. “In der unmittelbaren Umgebung Tatews gibt es sechs sehr arme Dörfer. Das Kloster ist der Hauptanziehungspunkt. Die Landwirtschaft ist unterentwickelt, natürliche Ressourcen fehlen, doch es gibt Tatew. Der Tourismus bringt neue Jobs und eine Verbesserungs des Lebensstandards”, sagt Papazian. Die Region könnte für Kunst- und Kulturfreunde, Künstler und Studierende zu einer Attraktion werden. Ob das Konzept aufgeht und hier neues Leben einzieht, muss sich noch zeigen.