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WIKILEAKS - das zweite Kapitel

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WIKILEAKS - das zweite Kapitel

WIKILEAKS - das zweite Kapitel
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Die Enthüllungsplattform hat im Internet fast 400.000 Geheimakten zum Irakkrieg veröffentlicht.
Die Reaktionen sind ähnlich gegensätzlichlich wie bei der ersten Enthüllungsrunde zum Krieg in Afghanistan im Sommer.
Wikileaks-Chef Julien Assange, der sich inzwischen in Schweden nicht mehr sicher fühlt, hatte zur Pressekonferenz nach London geladen.
Während die US-Regierung ihn wegen Geheimnisverrats anklagen will, betont der Menschenrechts-Anwalt Phil Shiner,
die USA und Großbritannien könnten sich nicht mehr damit herausreden, es seien ja nicht ihre Soldaten, die da folterten. Beide Staaten hätten die Pflicht, der Folterpraktik von Irakern ein Ende zu machen.
Täten sie das nicht, würden sie zu Komplizen.

Was da publik gemacht wurde, enthüllt Kriegsverbrechen, massenhaft begangen von den regulären US-Truppen und ihren britischen Verbündeten. Aber mehr noch von den Söldner, die wie Sub-Unternehmer des Pentagon zeitweise ebenso viele Männer im Irak im Einsatz hatten wie die amerikanische Armee. Und es geht um Folter, verübt von Irakern an Irakern. Das, so zeigen die Dokumente, falle auch unter “Übergabe von immer mehr Verantwortung an irakische Stellen”, wie die offizielle US-Politik in Sachen Irak es bezeichnet.

In den USA erwartet ein Ex-Gi seinen Prozeß, der aus Militär-Datenbanken Material kopiert und an Wikileaks weitergegeben haben soll.

Der Gefreite David Service, zur Zeit im Irak-Einsatz, meint, jeder der so etwas mache, sollte bedenken, dass er damit Soldaten und Zivilisten in Gefahr bringe.

Im Irak sind die Reaktionen eher verhalten.
Die Menschen hier hören ja immer wieder oder sehen selbst, wie Zivilisten von sehr nervösen Soldaten an Strassensperren erschossen werden.
Nur im Umfeld des alles andere als starken irakischen Regierungschefs Al Maliki betrachtet man die Enthüllungen als weiteren
“Versuch der Destabilisierung”.

Dieser “Mann auf der Straße” in Bagdad vermutet denn auch hinter dem Zeitpunkt der Veröffentlichung “spezielle Interessen gewisser politischer Kreise”.

Erinnert sich noch jemand an den weltweiten Aufschrei, den diese Bilder erzeugten?
Die von US-Soldaten selbst dokumentierten Grausamkeiten von Abu Ghraib sind erst vier Jahre her.