Eilmeldung

Eilmeldung

Deutsche Diplomaten - Handlanger beim Holocaust

Sie lesen gerade:

Deutsche Diplomaten - Handlanger beim Holocaust

Schriftgrösse Aa Aa

Die neue Pflichtlektüre für Deutschlands angehende Diplomaten: “Das Amt und die Vergangenheit”, die Studie einer internationalen Historikerkommission, die enthüllt, dass das Auswärtige Amt im Dritten Reich keineswegs ein Hort des Widerstands war, wie es nach dem Krieg gern den Mythos pflegte.

Die meisten Diplomaten waren Täter oder Mitläufer beim Holocaust, so der Leiter der Kommission, Eckart Conze: “Das Auswärtige Amt war, das zeigt die Studie, von 1933 an an der Gewaltpolitik des Nationalsozialismus beteiligt. Es hat aktiv an der Verfolgung, dann der Ermordung der europäischen Juden mitgewirkt. Und es war in diesem Sinne – man kann es nicht anders sagen – eine verbrecherische Organisation.”

“Liquidation von Juden” steht denn auch ganz offiziell auf einer Reisekosten-Abrechnung eines Diplomaten, die die Kommission zutage förderte.
Das Außenministerium spielte auch bei der Ausbürgerung von Thomas Mann und Willy Brandt eine wichtige Rolle.

Für Außenminister Guido Westerwelle ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte seines Ministeriums: “Deswegen wird er bei uns in der Diplomatenausbildung auch ganz gewiss zur Pflichtlektüre. Es sind einige schockierende Erkenntnisse dabei, auch wie tief zum Teil Spitzendiplomaten in das Unrechtsregime, in die Diktatur, in das Verbrechen des Dritten Reichs involviert gewesen sind.”

“Unglaublich, dass bis zu dieser systematischen Aufarbeitung fast 60 Jahre vergingen”, kommentierte Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Sein Vorgänger Joschka Fischer hatte die Kommission nach einem Streit um die Nachruf-Praxis eingesetzt. Fischers Kommentar zum Abschlussbericht: “Das ist der Nachruf, den die Herren verdienen.”