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Filmfestival in Rom: Hundeschweiß und verschiffte Kinder

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Filmfestival in Rom: Hundeschweiß und verschiffte Kinder

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Der iranische Regisseur Hossein Keshavarz hat beim Internationalen Filmfestival in Rom
seinen ersten Spielfilm vorgestellt: “Dog Sweat”.

Der Film handelt von sechs jungen Menschen, die gegen das streng konservative islamische Gesellschaftssystem im Iran rebellieren. Für Keshavarz war der Dreh keine einfache Aufgabe: So wurde der Streifen heimlich in Teheran gefilmt, vor den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009.
Keshavarz: “Es ist sehr schwierig einen Untergrund-Film im Iran zu drehen.

Ich scherze immer, dass mein Bart bei Drehbeginn noch komplett schwarz war, aber es hat eben eine ganze Weile gedauert und war sehr anstrengend. Wir konnten immer nur kleine Stücke abdrehen und immer nur das, wofür wir eine Erlaubnis erhielten. Aber ich denke, das hat den Film auch auf eine Art besser gemacht, viel direkter. Wir mussten an echten Orten drehen, hatten keine Kontrolle, mussten das Chaos hinnehmen, wir mussten einfach akzeptieren was passierte und das dann nutzen. In der Geschichte und in der Art, wie wir filmten.

“ In “Dog Sweat” suchen die jungen Charaktere nach Möglichkeiten und Wegen, sich in eingeengten Gesellschafts- und Familienstrukturen zu behaupten. Eine junge Pop-Sängerin läuft da Gefahr aufzufliegen, während ein homosexueller junger Mann in eine arrangierte Heirat einwilligt. Und eine Feministin geht eine Affaire mit einem verheirateten Mann ein.

Keshavarz: “Ich denke, viele Leute werden ihre politischen Vorstellungen in den Film hineinprojizieren, aber in Wirklichkeit ist es eine rein menschliche Geschichte. der Film handelt von einer Reihe junger Leuten, liberalen und religiösen. Das Spektrum wird ganz gut abgebildet. Und wir wollen auch nicht in irgendwelche politischen Debatten geraten, hoffentlich wird das auch nicht passieren.” Im Iran wird der Film nicht veröffentlicht. Der Regisseur hofft aber, dass er in anderen Ländern zum Nachdenken anregen werde. Dog Sweat läuft als offizieller Wettbewerbsbeitrag beim

Festival, das noch bis zum 5. November andauert.

Mit seinem Debutfilm “Oranges and Sunshine” tritt der junge Filmemacher Jim Loach in die Fussstapfen seines berühmten Vaters Ken. In Rom präsentierte er seine auf wahren Ereignissen basierende Geschichte: Bis ins Jahr 1970 wurden Tausende britischer Kinder aus notleidenden Familien unter anderem nach Australien geschifft.

Viele der Kinder endeten in Heimen und Einrichtungen der Katholischen Kirche, wo sie zum Teil misshandelt, sexuell missbraucht oder als Arbeitssklaven gehalten wurden. Im Mittelpunkt des Films steht die Sozialarbeiterin Margaret Humphreys, die durch Zufall auf die Geschichte stösst. Von da an widmet sie sich der Aufgabe, die Familien zusammenzubringen und die Behörden zur Rechenschaft zu ziehen.

Bei einer Pressekonferenz sagte Jim Loach: “Ich würde mir wünschen, dass dies Licht auf eine Geschichte wirft, die zu lange unter den Teppich gekehrt und nicht richtig beachtet wurde. Es ist die Geschichte von Überlebenden, eigentlich eine hoffnungsvolle Geschichte.” Gespielt wird die engagierte Sozialarbeiterin Margaret Humphreys von Emily Watson. Sie stellte den Film in Rom zusammen mit Jim Loach vor.

Watson: “Rom ist natürlich ein besonderer Ort, um den Film zu zeigen, denn er befasst sich ja ganz klar mit der Katholischen Kirche. Ich glaube, Jim hat bei seiner Pressekonferenz vorhin auch den Papst zur Filmvorführung eingeladen, aber ich denke nicht, dass er aufgetaucht ist oder?” der Film “Oranges and Sunshine” ist offizieller Wettbewerbsbeitrag beim Filmfestival in Rome. Er kommt 2011 in die Kinos.