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Obamas Außenpolitik - aus der Sicht des Pariser "New York Times"-Korrespondenten

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Obamas Außenpolitik - aus der Sicht des Pariser "New York Times"-Korrespondenten

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euronews
Es ist viel geredet worden über die innenpolitische Situation von Präsident Obama. Wie steht es aber um seine Außenpolitik und welche Auswirkungen werden Erfolge oder Versäumnisse auf das Wahlergebnis haben?
Steven Erlanger leitet das Pariser Büro der
New York Times.
Wie es scheint, stehen die Dinge für Präsident Obama nicht gut. Im Irak ist der Teufel los, Afghanistan gerät zur großen Herausforderung und im Nahen Oster ist der Friedensprozeß tot.
Wie bewerten Sie diese Lage?

Steven Erlanger
Wie sie wissen, denken Amerikaner bei der Wahl nicht an Außenpolitik. Obama war gegen den Irakkrieg, hat von Anfang an dagegen gestimmt.
Sein Job war es, aus dem Irak heraus zu kommen. Das hat er getan.
Die meisten Amerikaner wollen einfach Stabilität, mehr interessiert sie nicht.
Seine Ziele in Afghanistan: herauskommen und eine stabile Regierung hinterlassen.
Einige Taliban sind jetzt bereit, mit der Karsai-Regierung zu sprechen, vielleicht ergibt das etwas Fortschritt. Gleichzeitig haben sie wieder in Nord-Wasiristan in Pakistan Menschen getötet.
Im Nahen Osten gehts nichts, da bin ich Ihrer Meinung. Die Zeit ist nicht günstig. Mohammed Abas ist nicht gerade stark. Netanjahu hat sich in Bezug auf den Baustopp für jüdische Siedlungen sehr unwillig gezeigt. Es war ein schwieriger Zeitpunkt. Aber ich denke, Obama könnte und sollte es im Nahen Osten besser machen.

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Obama macht viel Lärm um das iranische Atomprogramm. Er hat gesagt, er lasse die Tür offen für den Iran, aber es sieht so aus, als warte er nicht gerade hinter der offenen Tür.Die letzte Rund von Sanktionen hat nichts gebracht, endete noch mehr rein symbolisch als vorangehende.
Glauben sie, man wird ihm diesen Mangel an Taten ankreiden?

Steven Erlanger
Ja, und ich kritisiere das auch. Allerdings war die letzte Sanktionsrunde nicht ganz so leer wie Sie andeuten. Iran bemüht sich ernsthaft und hat gerade angekündigt, Mitte November zu den Diskussionen unter dem Namen “EU 3 plus 3” zurückzukehren.
Obama schürt Hoffnungen für eine neue Gesprächsrunde. Aber es gibt die Sanktionen und Einschränkungen für Iran. Ich denke, die Amerikaner glauben, dass sie in der Iran-Sache mehr Zeit haben. Iran hat eine Menge Probleme mit seinen Zentrifugen, teils durch Spionage und Sabotage. Und das schaffe Zeit für Verhandlungen.
Ich vermute, dass diese neue Verhandlungsrunde dem Muster der vorigen folgen wird.
Iran verzögert, bremst, hält hin, die Dinge werden schwieriger und für die Russen und Chinesen wird es etwas komplizierter, sich ernsthaften Sanktionen zu widersetzen.

euronews
Aber das haben wir alles schon gehört: Mit der Zustimmung zu einer neuen Verhandlungsrunde erkauft sich Iran Zeit, um sein Atomprogramm voranzutreiben. Glauben sie, das könnte diesmal anders laufen?

Steven Erlanger
Das glaube ich nicht. Da bin ihrer Meinung. Wie Nicolas Sarkozy vor der UN-Vollversammlung gesagt hat, wir reden und reden und die Zentrifugen drehen sich. In der Frage, ob der Westen fähig ist, den Iran an der Anreicherung bis hin zu bombenfähigem Uran zu hindern, bin ich ein wenig pessimistisch. Iran leugnet ja immer, so was zu tun.
Ich denke, der Westen muss das ernster nehmen.
Ich denke, die USA haben Israel davon abgehalten etwas zu tun, was gerade jetzt als Dummheit angesehen werden könnte.
Ich weiss nicht, ob sich die iranische Haltung ändern wird. Aus meiner Sicht hat Iran die Absicht, ein Atomwaffenstaat zu werden – und der Westen hat wenig Möglichkeiten, Iran am Erreichen dieses Ziels zu hindern.