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EU-USA: Zukunft der transatlantischen Beziehungen

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EU-USA: Zukunft der transatlantischen Beziehungen

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Frédéric Bouchard, Euronews: Der Wirtschaft der Vereinigten Staaten geht es schlecht, sie hat Mühe, wieder an Fahrt zu gewinnen. Im Gegensatz dazu zieht das Wachstum in der EU an – vor allem in Deutschland. Herr Joao Vale de Almeida, Sie sind EU-Botschafter in den USA. Am 20. November halten die EU und die USA in Lissabon ein gemeinsamen Gipfel ab. Präsident Barack Obama wird politisch angeschlagen nach Lissabon fahren. Welche Botschaft haben die Europäer für ihn im Gepäck?

João Vale de Almeida, EU-Botschafter in den USA: Ich glaube, die Hauptbotschaft der Europäer setzt sich aus Engagement und Vertrauen zusammen. Engagement für die transatlantischen Beziehungen, denn es handelt sich um Europas wichtigsten Partner und umgekehrt. Und Vertrauen in unsere Fähigkeit, zusammen gute Lösungen zu finden.

euronews: Also Ihrerseits kein Anlass zur Sorge um die transatlantischen Beziehungen im Hinblick auf die Wahlschlappe?

Vale de Almeida: Nein, Sie wissen, dass es innerhalb der EU politische Entwicklungen gibt, genauso ist das der Fall in den USA. Das demokratische Spiel muss berücksichtigt werden. Ich bin zuversichtlich, dass die beiden großen amerikanischen Parteien, Demokraten und Republikaner, dieses Interesse an den transatlantischen Beziehungen teilen.

euronews: Die amerikanische Regierung scheint politisch auf einen schwachen Dollar zu setzen. Kann die EU in puncto Wirtschaft und Währung wirklich eine Annäherung mit den USA anvisieren? Der Euro scheint für die USA eine Referenzwährung zu sein.

Vale de Almeida: Seit Beginn der Krise 2008 haben wir eine sehr enge Zusammenarbeit mit den USA entwickelt. Erinnern Sie sich, Europa und die USA stehen ursprünglich hinter der G20. Und die G20 ist das erste Instrument, um die Konsequenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise abzufedern. Wir sprechen über schwierige und komplexe Themen, ich will hier nicht die Komplexität der Währungsfragen leugnen. Aber ich denke, es gibt keine Alternative. Wir müssen diskutieren, um gemeinsame Herangehensweisen zu finden. Europäer und Amerikaner müssen auch den Platz der neuen Schwellenländer verstehen lernen und eine gute Zusammenarbeit mit Ländern wie China etablieren.

Euronews: Mit einer geschrumpften Mehrheit im Senat und einer republikanisch geführten Repräsentantenhaus scheint es unwahrscheinlich, dass Präsident Obama ein Gesetz über den Klimawandel durchbringt. Kann die EU eine Führungsrolle auch ohne die USA übernehmen?

Vale de Almeida: Alle internationalen Akteure müssen Anstrengungen unternehmen, vor allem die wichtigsten Wirtschaftsmächte, ob sie nun Industrie-, Entwicklungs- oder Schwellenländer sind wie China, Indien oder Brasilien. Bei diesem Thema brauchen wir Verbindlichkeit und politische Investitionen. Vor allem aber müssen Europäer und Amerikaner die Schwellenländer zu ausgewogenen Lösungen heranführen.

euronews: Sicher, allerdings kommt dieses Engagement wohl eher von der Europäischen Union als von den USA, wenigstens nicht mit der neuen Mehrheit im Kongress.

Vale de Almeida: Hören Sie, ich will kein überstürztes Urteil über den politischen Handlungsrahmen in den USA fällen. Das steht mir nicht zu. Aber es gibt eine Verantwortung, die jeder Politiker übernehmen muss angesichts der Herausforderungen in der Welt, mit denen unsere Gesellschaft konfrontiert wird. Der Klimawandel zählt dazu. Es gibt eine Debatte, die fortgesetzt werden muss, auch mit dem neu gebildeten Kongress. Wir arbeiten gut mit dem aktuellen zusammen, und das werden wir auch mit dem neuen Kongress so fortsetzen. Ich habe Treffen mit Vertreten der Republikaner anvisiert. Wir müssen diese Verbindlichkeit mit Bestimmtheit verfolgen.