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Robert Lawrence Kuhn: "Es wird keinen Handelskrieg geben"

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Robert Lawrence Kuhn: "Es wird keinen Handelskrieg geben"

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Die Kongresswahlen in Washington sind auch in Peking aufmerksam verfolgt worden. Für Euronews hat Irene Binal mit dem Analysten und Autor Robert Lawrence Kuhn über die Reaktionen aus China gesprochen.

Euronews:
Der US-Kongress ist nach den Wahlen in republikanischer Hand. Befürchtet Peking nun eine nationalistischere Politik aus Washington?

Kuhn:
Die chinesischen Anführer haben vor langer Zeit begriffen, dass sie bei US-Wahlen als Sündenbock herhalten müssen. Aber sie wissen gleichzeitig, dass die Dinge sich schnell wieder normalisieren, sobald die neue Regierung an der Macht ist. Dieses Mal könnten sie sich allerdings irren; dieses Mal könnte es anders sein: Wenn man die China-Politik der Demokraten und der Republikaner betrachtet, gibt es innerhalb jeder Partei mehr Unterschiede als zwischen den Parteien. Das ist nur bei der China-Frage so, bei keinem anderen Thema. Die Wähler sind sehr verärgert und vielleicht wird eine Anti-China-Politik in Handelsfragen und anderen Bereichen zum einzigen gemeinsamen Faktor werden. Während also China sagt: nun, es ist so wie es immer war, bin ich diesbezüglich nicht so sicher und ich halte die Lage für sehr ernst.

Euronews:
Washington hat gerade eine weitere geldpolitische Lockerung zur Stimulierung der Wirtschaft beschlossen, aber das wird den Dollar weiter schwächen. Wird dadurch ein internationaler Währungskrieg wahrscheinlicher?

Kuhn:
Ein wenig, denn einige chinesische Regierungsmitglieder haben mir gesagt, dass China die quantitative Lockerung als heimliche Abwertung des Dollars betrachtet, was den Druck auf die chinesische Währung, den Yuan, erhöht. Daher gibt es diesbezüglich große Sorgen, aber ich denke, beide Länder sind so sehr voneinander abhängig und die Weltwirtschaft ist derart fragil, dass klügere Köpfe sich durchsetzen werden. Wir werden Schachzüge hin zu einem Handelskrieg erleben, aber keinen Handelskrieg.

In der Vergangenheit hat Amerika die Zölle verschiedenen Produkttypen zugeordnet, wie die Gewerkschaften es wollten. Vielleicht war das gerechtfertigt. Als Antwort legte China Zölle fest, die nicht höher, sondern noch niedriger sind, und damit signalisieren sie, dass sie die USA zwingen wollen, ihre Zölle zu senken. Das ist bereits geschehen und ich erwarte, dass es wieder geschieht. Daher wird es also Schritte hin zu einem Währungskrieg geben, aber sie werden im Lauf der Zeit weniger werden.

Euronews:
Wie hätte China auf den Rückgang des Wirtschaftswachstums reagiert, der in Amerika eine Krise ausgelöst hat?

Kuhn:
Wir müssen dazu wissen, wie chinesische Politiker darüber denken. Sie verstehen nicht, wie man einen strategischen Plan entwickeln kann, wenn in der Regierung Stillstand herrscht, wenn die Regierung gespalten ist wie jetzt in Washington. Oder auch wie in Japan, wo alle drei Monate ein neuer Regierungschef an die Macht kommt – wobei das natürlich übertrieben ist.

Daher sagt die chinesische Führung: wenn man langfristig strategisch planen will, braucht man eine einheitliche Regierung. Und das gibt China die Rechtfertigung dafür, dass die kommunistische Partei die einzige Regierungspartei bleibt.