Eilmeldung

Eilmeldung

Wie katholisch ist Spanien heute?

Sie lesen gerade:

Wie katholisch ist Spanien heute?

Schriftgrösse Aa Aa

“Plaza de Jesus” – in Spanien kein so seltener Straßenname. Schließlich hat das Land eine großte katholische Tradition.
Isabella und Ferdinand, die 1492 die Mauren nach 700jähriger Herrschaft vertrieben, nannten sich selber “Reyes Catholicos”, “ katholischen Könige”.

Heute wird die katholische Kirche in Spanien vom Staat finanziert, auf der Grundlage eines Vertrages mit dem Vatikan. Es gibt eine Steuer in Höhe von 0,7 % der Lohn- oder Einkommenssteuer. Aber der Steuerpflichtige kann selber entscheiden, ob sein Geld der Kirche oder sozialen Einrichtungen zugute kommen soll. Gut ein Drittel der Steuerbürger entscheiden sich für die Kirche.

Dabei bezeichneten sich 2002 80% der Spanier als Katholiken, 2010 nur noch 73%.

Dazu sollte man auch wissen, dass es für spanischen Katholiken formell keine Möglichkeit des Kirchenaustritts gibt. Und im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr Ehen standesamtlich geschlossen als vor dem Altar.

Spanien hat einen atheistischen Regierungschef und ein Parlament, das 2005 ein Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe beschloss.
Seither sind landesweit rund 20.000 solcher Ehen geschlossen worden.

Spanien hat auch ein Gesetz über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch.

Obwohl religiöse Kreise immer wieder dagegen Sturm laufen.

Bei all diesen Fakten wird verständlich, warum der Papst die von ihm gewünschte “Neu-Evangelisierung” jetzt auch in Spanien persönlich betreibt. Benedikt XVI. wird 2011 wiederkommen – zum katholischen Weltjugendtag in Madrid.

Man kennt inzwischen auch in Spanien den Streit um das Kruzifix im Klassenzimmer.

Seit einigen Monaten arbeitet die Regierung an einem neuen Gesetz zur Religionsfreiheit, das dieses christliche Glaubenssymbol dann aus den öffentlichen Schulen verbannen soll.