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EU-Beitritt der Türkei steht weiterhin in den Sternen

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EU-Beitritt der Türkei steht weiterhin in den Sternen

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Die Türkei steht an der Schwelle zur EU – aber ein Beitritt ist nach wie vor nicht in Sicht. Die Union fordert in ihrem jüngsten Bericht, Ankara müsse die Kriminalität wirksamer bekämpfen und für Pressefreiheit sorgen. Gleichzeitig ortet der EU- Botschafter in der Türkei, Marc Pierini, auch im Land selbst eine nicht sehr EU-freundliche Haltung: “Die Stimmung ist ziemlich negativ, aber gleichzeitig haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen stark weiterentwickelt, etwa was Investitionen oder den Energiesektor betrifft. Die Türkei ist heute so etwas wie die Wachstumsreserve Europas, auch was die Industrie und den Dienstleistungssektor angeht.”

Immerhin: Fast 40 Prozent der Türken sind gegen den Beitritt zur EU. Und die Beitrittsverhandlungen stocken bereits seit längerem, vor allem wegen der Zypern-Frage. Der Istanbuler Politologe Cengiz Aktar hält diesen Schwebezustand für ungünstig: “Wenn die Türkei eine klare Perspektive hätte, würde sie sich anders verhalten, wenn sie sich als künftiges EU-Mitglied sehen könnte. In diesem Zusammenhang ist das Jahr 2023 sehr wichtig, dieses Datum bedeutet den Türken viel, denn dann feiert die Republik ihren 100. Jahrestag.” Marc Pierini hingegen sieht noch lang kein Ende der Verhandlungen: “Ich glaube, dass wir noch nicht so weit sind, um über ein konkretes Datum zu sprechen, an dem wir das Ende des Tunnels erreichen können.”

Innerhalb der EU stehen vor allem Frankreich und Deutschland einem Beitritt der Türkei kritisch gegenüber. Gemeinsam mit Zypern blockiert Frankreich zahlreiche der insgesamt rund 30 Verhandlungskapitel. Dennoch hofft die belgische EU-Ratspräsidentschaft, bis Jahresende ein neues Kapitel öffnen zu können.