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"Eines Tages kennen wir die Auftraggeber der Gewalt"

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"Eines Tages kennen wir die Auftraggeber der Gewalt"

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Zwei Journalisten in Moskau wurden innerhalb einer Woche Opfer von brutaler Gewalt. Eine Gruppe Abgeordneter hat jetzt Gesetzesvorschläge eingebracht, damit die Strafen bei solchen Verbrechen härter werden. Von bis zu 20 Jahren Haft ist die Rede. Wir sprechen mit Weswolod Bogdanow, dem Präsidenten des russischen Journalistenverbandes.

Euronews:
“2009 wurden in Russland acht Journalisten ermordet. Nur in einem dieser Fälle wurden Täter zur Verantwortung gezogen. Welche Zahlen haben Sie, was Verbrechen gegen Journalisten in Russland und die Aufklärung angeht?”

Bogdanow:
“Jedes Jahr halten wir am 15. Dezember eine Gedenkfeier ab. Wir stellen die Fotos von 300 Kollegen auf, die in den vergangenen zwanzig Jahren ermordet wurden. Was die Aufklärungsrate angeht: Von 20 Morden werden etwa zwei aufgeklärt, also bestraft. Das heißt, die Täter werden gefasst. Wer dahinter steht, die Auftraggeber, – das wissen wir nicht.”

Euronews:
“Was glauben Sie persönlich, wer die Verantwortung für die Gewalt gegen Journalisten trägt?”

Bogdanow:
“Die, die die Macht haben, tragen die Verantwortung. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verschwand zwar die Ideologie, aber die neuen Machthaber haben ihr Möglichstes getan, damit Journalismus keine große Bedeutung hat und keinen Einfluss auf die öffentliche Meinung hat. Der gesamte Machtapparat, von ganz oben bis ganz unten, ist daran beteiligt. Auch die Behörden auf regionaler Ebene halten sich für allmächtig und meinen, sich alles herausnehmen zu können. Die Bevölkerung und Journalisten haben für sie keine Bedeutung.”

Euronews:
“Wer kann gegen diese Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft etwas tun?”

Bogdanow:
“Zum einen die Gesellschaft, zum anderen die Journalisten. Man muss alles tun, damit Journalisten durch Gesetze geschützt werden und dass ihnen der Respekt entgegen gebracht wird, der ihrer Tätigkeit und ihrer Wichtigkeit entspricht.
Viel hängt aber auch von denen ab, die die Macht haben. Vom Parlament, vom Präsidenten.

Die Gesellschaft muss wieder Vertrauen in die Medien haben. Das Vertrauen ist nämlich vom Machtapparat zerstört worden. Die Arbeit von Journalisten wird nicht geschätzt, ihnen wird nicht mit Achtung begegnet. So ist es natürlich leicht, die Bevölkerung zu manipulieren.

Ich glaube allerdings, dass Präsident Medwedew sich dieser Situation schon bewusst ist und sieht, wie traurig das ist. Er spricht zum Beispiel das Problem konkret an und setzt sich für eine Lösung ein. Das gibt mir Hoffnung, dass sich etwas verändern wird. Dass wir eines Tages auch die Namen derer kennen werden, die die Verbrechen in Auftrag geben und derer, die sie ausführen.”