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Türkei/EU: Erdoğan findet die lange Bank zu hart

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Türkei/EU: Erdoğan findet die lange Bank zu hart

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Schwer verärgert hat Recep Tayyip Erdoğan auf den
in Brüssel vorgestellten Beitrittsbericht der EU-Kommission reagiert. Fünf Jahre nach Beginn der Beitrittsgespräche habe man den Eindruck, die Verhandlungen mit der islamgeprägten Türkei würden abgewürgt, die Beitrittsregeln immer wieder neu definiert, so der türkische Ministerpräsident.

Erdoğan sagte:

“Wir sind in einem Verhandlungsprozess, aber leider hat es eine solche Vernachlässigung und einen solchen Mangel an Sensibilität gegeben und die Türkei zahlt einen so hohen Preis, dass die Stimmung in Regierung und Öffentlichkeit kippt. Die Lage ist unangenehm.”

Die EU-Kommission hatte den ungelösten Konflikt mit dem EU-Mitglied Zypern als wesentliches Beitritts-Hindernis herausgestellt und Defizite bei der Wahrung der Grundrechte moniert.

EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle:

“Ich weise den Eindruck zurück, dass wir hier unsere Zeit verplempern. Im Laufe der Jahre kommen die Beitrittsverhandlungen voran, wir haben Fortschritte und Reformen in der Türkei festgestellt, viele Dinge sind im Fluss.”

Am Ende müsse er den EU-Bürgern ein schlüssiges, wasserdichtes Dossier präsentieren. In vielen Ländern entschieden schließlich nicht nur
die Parlamente, sondern auch die Wähler per Referendum über den Beitritt.

Vor allem in den EU-Gründerstaaten Deutschland und Frankreich mehrten sich in den vergangenen Jahren die Bedenken gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei – mit 75 Millionen Menschen wäre sie eines der Schwergewichte der Union.