Eilmeldung

Eilmeldung

Westsahara-der letzte Nach-Kolonial-Konflikt

Sie lesen gerade:

Westsahara-der letzte Nach-Kolonial-Konflikt

Schriftgrösse Aa Aa

Feuer in der Wüste, Polizisten brennen Zelte nieder.
Ein von der Welt fast vergessener Konflikt wird neu entflammt. In der Westsahara.
Wo seit Jahrzehnten Menschen zu überleben versuchen in einem Dilemma, das weder Krieg noch Frieden ist.

Wie quasi aus dem Nichts innerhalb von zwei Wochen vor den Toren der Hauptstadt El-Auin eine Zeltstadt mit 20.000 Bewohnern wurde, ist heute schwer nachzuvollziehen.
Die Unruhen erreichten auch die Stadt.
Die Unabhängigkeitsbewegung POLISARIO spricht von mindestens elf toten Zivilisten, mehr als 700 Verletzten und 160 “Verschwundenen”.
Es sieht nach einem Aufstand der Verzweifelten aus, die Arbeitsplätze, Wohnungen und Zugang zu Sozialleistungen verlangen.

Und die lange versprochene Volksabstimmung.
Am Telefon sagt Lahcen Dalli:
“Die Protestierer wollen, dass die Vereinten Nationen sie per Referendum über ihre Selbstbestimmung entscheiden lassen, weil es uns schlecht geht hier in der Westsahara. Darum haben wie keine Geduld mehr, länger auf eine Lösung zu warten.”

1975 hatte der damalige König Hassan II. zehntausende Marokkaner die bis dahin spanische Kolonie überrennen lassen. “Grüner Marsch” war der Propagandaname für diese Okkupation.
Von Spanien war keine schnelle Reaktion zu erwarten, denn Diktator Franco lag im Sterben.
Nachdem zunächst auch Mauritanien mitmischte, sieht die Realität heute etwa so aus:
Die dunkelbraunen Gebiete im Osten und Süden kontrolliert die POLISARIO, die hellbraunen bis zur Küste Marokko.

Die POLISARIO hatte, unterstützt von Algerien, 1976 die “Demokratische Arabische Republik Sahara” ausgerufen, die von einigen Dutzend Staaten anerkannt und auch Mitglied der “Afrikanischen Union” wurde.

Seit 1991 herrscht ein von den Vereinten Nationen mehr weniger überwachter Waffenstillstand.
Seit 2007 hatte der UN-Sicherheitsrat einen Vermittler für direkte Verhandlungen eingesetzt.
Gebracht hat das alles nichts.

Vielleicht sollte man anfügen, dass es nicht nur um Saharasand geht – sondern auch um reiche Phosphatvorkommen darunter.