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London nimmt Arbeitslose an die Kandare

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London nimmt Arbeitslose an die Kandare

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Großbritannien will schärfer gegen Arbeitslose vorgehen, die Jobangebote ablehnen. Die Regierung hat ein neues System vorgestellt, das im kommenden Jahr im Parlament eingebracht werden soll. Demnach wird das wöchentlich gezahlte Arbeitslosengeld von 65 Pfund, umgerechnet rund 75 Euro, für drei Monate gestrichen, wenn der Arbeitslose ein Angebot ablehnt. Beim zweiten Verstoß wird die Zuwendung für sechs Monate ausgesetzt, beim dritten für drei Jahre. “Es ist nicht mehr möglich, sich gegen die Arbeit zu entscheiden, wenn man arbeiten könnte”, erklärte Arbeitsminister Ian Duncan Smith. “Darum sanktionieren wir jene, die nicht nach den Regeln spielen, und entwickeln Maßnahmen für jene, die sich an einen Arbeitsrhythmus gewöhnen müssen.”

Bislang kann die Arbeitslosenunterstützung maximal ein halbes Jahr lang gestrichen werden, allerdings geschieht dies in der Praxis kaum. Im Königreich gibt es gegenwärtig rund vier Millionen Haushalte, in denen niemand arbeitet. Die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger liegt bei 1,5 Millionen. Auch Heather Howearth gehört zu ihnen – und sie sieht die Pläne Londons mit Skepsis: “Ich verstehe, dass die Regierung meint, mache Menschen brauchen die Arbeitserfahrung. Aber ihnen einfach die Unterstützung zu streichen… Es gibt so viele Gründe, daheim zu bleiben, viele haben einfach nicht das Vertrauen in sich selbst. Und die Straßen zu kehren wird ihnen kaum Selbstvertrauen geben.”

Denn vorgesehen ist auch, dass Arbeitslose durch ehrenamtliche Tätigkeiten wieder an die Arbeit gewöhnt werden, etwa bei der Straßenreinigung. Konservative Analysten wie Neil O’Brian sind begeistert. “Die Erfahrungen etwa in den USA oder Kanada zeigen, dass solche Programme sehr erfolgreich sind”, so O’Brian. “In manchen US-Bundesstaaten konnte die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher um fast 90 Prozent reduziert werden.”

Die Regierung will in den nächsten drei Jahren rund 300.000 Arbeitslose wieder in Beschäftigung bringen. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Strafen schwer durchzusetzen seien – und dass das neue System die Kosten zunächst nach oben treiben werde.