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Rubin Kazan: Vom drittklassigen Verein zum Fußballgiganten

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Rubin Kazan: Vom drittklassigen Verein zum Fußballgiganten

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Ihr Aufstieg liest sich wie ein modernes Fußball-Märchen: In nur elf Jahren bahnte sich Rubin Kazan seinen Weg von einem drittklassigen Team ganz nach oben in die russische Spitzen-Liga.

2008 hat das Team die russische Liga gewonnen – das gelang bisher nur zwei Mannschaften, die nicht aus Moskau stammen. Im darauffolgenden Jahr verteidigten sie erfolgreich ihren Titel. Nun greifen sie nach internationalen Sternen. Zwei Jahre lang mischten sie schon in der Champions League mit. In dieser Spielzeit haben sie zwar keine Chance mehr auf die K.O. Runde – die peilt Rubin Kazan jedoch nächstes Jahr wieder an.

Alexander Gusev, der Präsident von Rubin, erklärte,
“In diesem Jahr haben wir auf dem Spielermarkt einen guten Job gemacht. Das spiegelt sich leider noch nicht in den Ergebnissen wider. Wir brauchen mehr Zeit.” In diesem Sommer verlor Rubin an seine russischen Rivalen einige Schlüsselfiguren auf dem Spielfeld. Um den Verlust auszugleichen, langte der Verein tief in die Kasse und kaufte für 43 Millionen Euro neue Spieler ein: den Italiener Salvatore Boccetti aus Genua, den Brasilianer Carlos Eduardo aus Hoffenheim und den Nigerianer Obafemi Martins aus Wolfsburg. Rubin-Stürmer Obafemi Martins erinnert sich: “Ich war gerade bei der Fußball-WM, als sie mich anriefen. Und ich sagte, dass ich interessiert bin. Dann habe ich mir das Team ein paar Mal auf dem Spielfeld angesehen. Ich bin nur hier, weil es ein gutes Team mit guten Spielern ist. Nur deswegen bin ich hier hergekommen.”

Am siebten Dezember trifft Rubin erneut auf den FC Barcelona. Zwar haben die Jungs aus Kazan keine Aussichten mehr auf die K.o.-Runde. Aber ein gutes Ergebnis bei den Katalanen wird sich sicherlich herumsprechen und ihren internationalen Ruf festigen. Mittelfeldspieler Alexander Ryazantsev erhofft sich von der Begegnung internationales Ansehen. Er sagte, “vielleicht werden sie uns dann in Europa ernster nehmen als nach der letzten Saison. Dort bekommst du nur Respekt, wenn du mehrere gute Spielzeiten hinlegst.”

Der einzige Rubin-Spieler, der noch nicht ausgewechselt wurde, seitdem die Mannschaft nicht mehr in der zweiten russischen Division kickt, ist Fußball-Veteran Roman Sharonov. Er stand vor zehn Jahren für Kazan zum ersten Mal auf dem Spielfeld. Der Unterschied zwischen damals und heute sei enorm, so der Mannschaftskapitän: “Du kannst Rubin von damals, als ich anfing, und die jetzige Mannschaft kaum vergleichen. Das Team spielte in der zweiten Liga, jetzt sind wir in der Champions League dabei.”

Rubin hat das sechstgrößte Budget in der russischen Fußball-Liga. Viel weniger zwar als der russische Tabellenführer Zenit St. Petersburg, aber ähnlich hoch wie Spartak, Dynamo, ZSKA und Lokomotive. Sponsor Albert Shigabutdinov von “Tatarian American Investment and Finance” erklärte, “wir können die Bedeutung, die Rubin Kazan für die Stadt und ganz Tatarstan hat, gar nicht überschätzen. Wir entschlossen uns auch – obwohl die Initiative nicht wirklich von uns ausging – die sportliche Entwicklung in der Republik Tatarstan zu unterstützen.”

Geld, gute Spieler und staatliche Unterstützung – all diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Doch der Hauptgrund für den legendären Aufstieg Rubin Kazans hat einen Namen: Kurban Berdyev. Kapitän Sharonov schwärmt: “Er ist der Vater der Mannschaft – und deren Mutter gleich dazu.”

Kurban Berdyev wurde 2001 zum Trainer ernannt. So begann der schrittweise Aufstieg des Teams. Viele sagen, die Leistungen der Mannschaft sind eine direkte Folge von Berdyevs Schalten und Walten: Er verhalte sich wie ein allmächtiger Manager in bester englischer Fußball-Tradition…

Auch Mittelfeldkicker Alexander Ryazantsev lobt den Boss: “Einfach alles hier verdanken wir ihm. Er hat den Club erst geschaffen und geformt. Als ich zum ersten Mal herkam, hatten wir noch nicht mal die Hälfte von dem, was wir hier heute sehen.”

Stabilität gepaart mit schrittweisem Aufstieg, so soll sich das Team Rubin Kazan nach Willen seines Bosses weiterentwickeln. In diesem Jahr musste die Mannschaft jedoch einen Rückschlag verkraften: Sie verlor ihren russischen Titel an Zenit.
Doch im nächsten Jahr wollen die Tataren unter den Haupt-Titel-Anwärtern wieder ein Wörtchen mitreden, ganz zu Schweigen von der nächsten Champions League, auf deren Teilnahme sie zum dritten Mal in Folge hoffen. Wer hätte davon vor fünf Jahren zu träumen gewagt, als das Team seinen Abstieg nur haarscharf mit einem einzigen Punkt abwenden konnte…