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Haiti: Hilfe weiter nötig

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Haiti: Hilfe weiter nötig

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Euronews: Elisabeth Byrs, Sie vertreten das Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten der UNO. Danke, dass Sie bei uns sind. Welche Faktoren erschweren die Eindämmung der Cholera auf Haiti?

E.B: Zunächst: Trotz aller Schwierigkeiten und trotz der Ausbreitung der Krankheit haben wir schnell und durchaus effizient reagieren können. Wir, das sind in diesem Fall wir hier in Genf, die haitianischen Behörden, die Nichtregierungsorganisationen und die Vereinten Nationen vor Ort. Wir haben viele Todesfälle vermeiden können. Und doch steigt die Zahl der Neuansteckungen. Wir haben es mit einer immer größeren Fallzahl zu tun, mit einer Epidemie, die sich immer weiter ausbreitet, weil sie hoch ansteckend ist.

EN: Woran mangelt es vor Ort?

E.B: Unsere Lagerbestände erschöpfen sich nach und nach. Wir brauchen mehr medizinisches Personal. Wir benötigen im Grunde 15 Krankenschwestern für einen Arzt. Wir brauchen mehr qualifiziertes Personal, mehr Medikamente, mehr Rehydrationssalz. Alles, was zur Bekämpfung der Cholera notwendig ist. Außerdem Kunststoffmatten und -decken. Und leider auch mehr Leichensäcke.

EN: Nach dem Beben vom 12. Januar hat die internationale Gemeinschaft mehr als 10 Milliarden Dollar Hilfe in Aussicht gestellt. Tatsächlich wurde aber nur ein kleiner Teil der Summe überwiesen. 5,3 Milliarden hätten schon längst freigegeben werden müssen. Ist Haiti nach dem ersten Schock schon wieder vergessen?

E.B: Die UNO hatte gleich nach den Erdstößen zu einer Soforthilfe von 1,4 Milliarden Euro aufgerufen. Davon wurden 73% ausgezahlt. Das ist doch nicht schlecht. Doch wir werden mehr Geld brauchen, wir müssen uns weiter bemühen. Ich denke die Geberländer haben sehr positiv auf den Aufruf der UNO reagiert. So muss es weitergehen. Die Finanzkrise hat die Spendenbereitschaft beeinflusst. Hinzu kamen die Überflutungen in Pakistan. Das Budget der Geberländer für humanitäre Hilfe ist ausgereizt.

EN: Diese Woche hat die UNESCO die Haitianerin Michaelle Jean zu ihrer Sondergesandten in Haiti erklärt. Frau Jean sagte nun, die internationale Hilfe habe das Land verwandelt und zwar in ein, ich zitiere, “riesiges Labor für Versuche und Fehlentscheidungen.” Haiti erholt sich nicht. Was läuft da schief?

E.B: Die internationale Gemeinschaft hat ihr Möglichstes getan. Haiti hatte bereits vor dem Beben vom 12. Januar ein erhebliches Armutsproblem. Nach dem Erbeben hat der Hurrikan Thomas mit heftigen Regenfällen zur Ausbreitung der Cholera beigetragen. Meiner Meinung nach ist es falsch von einem Versuchslabor zu sprechen. Auch die haitianischen Behörden waren von den Folgen des Erdbebens betroffen. Der Staat muss sich erst wieder organisieren, der öffentliche Dienst – das dauert. Das wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich glaube, dass die internationale Gemeinschaft ihr Möglichstes getan hat.

EN: Elisabeth Byrs, danke nach Genf.

Das Interview führte Laurence Alexandrowicz