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Die NATO und Russland - im Wandel der Zeiten

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Die NATO und Russland - im Wandel der Zeiten

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Ein NATO-Generalsekretär und ein Kreml-Chef beim ganz und gar zivilisierten Umgang miteinander -wie sich doch die Zeiten ändern! Rund zwei Jahrzehnte ist es jetzt her, seit dem westlichen Militärbündnis der Feind als solcher abhanden kam – und damit auch fast die Existenzberechtigung.
Die Strategen fanden noch rechtzeitig ein neues Konzept. Bei Anders Fogh Rasmussen, dem gegenwärtigen NATO-Generalsekretär, heisst es:“Beziehungen zwischen NATO und Russland so gestalten, dass wir sicher sein können, sie werden sich vertrauensvoll und produktiv entwickeln.”

Da könnte man fast vergessen, dass bittere Feindschaft zur Gründung der NATO geführt hatte.
1949 war das, als der Kalte Krieg jederzeit zu einem heißen zu werden drohte. Gut 40 Jahre dauerte dieser bipolare Konflikt, Jahre, in denen für die NATO der Feind grundsätzlich aus dem Osten kam.

Seit vom Kreml aus nur noch Russland regiert wird – und keine Weltmacht mehr – geht man wesentlich entspannter miteinander um. Jetzt würde Russland sogar Kampfhubschrauber an Afghanistan verkaufen.

Kleinere Spannungsmomente wie der kurze Sommerkrieg zwischen Russland und Georgien vor zwei Jahren haben die neuen Partnerschaftsbemühungen nicht wirklich dämpfen können. Zumal inzwischen auf beiden Seiten – bei Russland wie NATO – offensichtlich die Pragmatiker das Sagen haben. Daran hat US-Präsident Barack Obama einen wesentlichen Anteil. Er hat den von seinem Vorgänger Bush herbeigeführten Konflikt um Raketenabwehrsysteme klug entschärft.

In der neuen NATO-Strategie soll ein Raketenabwehrsystem unter Beteiligung von Russland verankert werden. Und das soll nicht mehr vor Russlands Haustür in Polen und Tschechien installiert werden. Der amerikanische Präsident spricht denn auch recht pragmatisch von: “Kosten-Effektivität bei der Einführung neuer Technologien, die zur Abwehr der gegenwärtigen Bedrohung gebraucht werden.”

Abzuwehren gilt es eine Bedrohung, die man heute vor allem vom Iran ausgehen sieht. Statt zehn Raketenbasen in Polen und ein Radarsystem in Tschechien, das halb Russland hätte überwachen können, setzt die NATO jetzt auf mobile Einheiten. Man spricht von “kombinierbaren Modulen”, die weitgehend auf Schiffen stationiert werden sollen.

Die Chance, rechtzeitig russische Erfahrungen in Afghanistan zu nutzen, hat die NATO leider vertan.

Nun ist logistische Hilfe gefragt. Russland lässt sich den Bahntransport von NATO-Ausrüstungen teuer bezahlen.