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Gemüse von den Dachgärten in New York

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Gemüse von den Dachgärten in New York

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“Es gibt eine neue Bewegung, die darin besteht, alles selbst zu tun. Sich aus so vielen Systemen wie möglich herauszunehmen”, sagt der Mitbegründer von Heritage Foods, Patrick Martins. “Es geht darum, die Bewohner der Stadt mit Obst und Gemüse zu versorgen, die hier angebaut werden.” In New York gibt es eine neue Generation von Landwirten, die ungewöhnliche Flächen nutzt. Einer dieser Gärten mit Blick auf Manhattan liegt 15 Meter über dem Greenpoint Sidewalk in Brooklyn: Der Eagle Street Dachgarten ist der erste seiner Art in Nordamerika, der kommerziell genutzt wird. Zuvor handelte es sich um das 750 Quadratmeter große Dach einer Fabrik. “Hier gedeihen etwa 20 bis 25 Früchte- und Gemüsearten, wir ziehen alles, angefangen von Karotten, was die Leute überrascht, weil der Boden nicht tief ist, bis hin zu Auberginen und Tomaten. Die Nachbarn lieben sie”, berichtet die Dachgarten-Farmerin Annie Novak. “Seit zwei Jahren wird der Dachgarten kommerziell genutzt. Im ersten Jahr experimentierten wir, um herausfinden, welche Pflanzen überleben. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf die Vermarktung. Die Geschäftsidee funktioniert, weil wir an Restaurants verkaufen, einen Markt haben und weil eine Gemeinschaft unsere Gruppe von Landwirten unterstützt. Das ganze Jahr über haben wir keinen einzigen Penny Schulden.”

Bis zum nächsten Dachgarten muss man nicht allzu weit gehen: Brooklyn Grange in Queens verschickt seine Erzeugnisse ebenfalls an Restaurants in der Nähe sowie an Anwohner. Auf dem Wochenmarkt in Bushwick wurde der Abschluss der Erntesaison und des ersten Geschäftsjahres gefeiert. Besonders geschätzt waren Mangold, Kohl, Radieschen und kleine Karotten. “Wir beliefern die Leute mit Gemüse, das vor Ort gedeiht, anstatt aus China importiert oder quer durchs Land aus Kalifornien herangekarrt zu werden. Alles wird biologisch angebaut, Chemie gibt es keine”, erläutert Ben Flanner, auch er Landwirt. Er gab seinen Schreibtisch-Job auf, um Vollzeit-Farmer zu werden. Er erläutert die umweltfreundlichen Praktiken, die helfen, chemische Mittel zu vermeiden. Beispiele dafür sind Fruchtwechsel oder Pflanzverband. Er setzt sich für eine gesunde Ernährung ein, was die Gäste sehr zu schätzen scheinen. Dachgärten sind aber nicht nur eine Frage der Produkte. Immer mehr Menschen ändern ihre Lebensgewohnheiten: Man beschäftigt sich mit biologischem Anbau und gesunder Ernährung, eine Reihe von Restaurants zeugt von einer neuen Ess-Kultur. Alles, was in der Gaststätte “Roberta’s” auf dem Teller liegt, kommt aus dem Garten. Die Erzeugnisse stammen aus Dachgärten wie aus dem eigenen Garten. Landwirtschaft, Küche und Nachhaltigkeit. Ohne die Verbreitung dieser Ideen durch einen Rundfunk wäre das kaum möglich. Das “Heritage Radio Network” strahlt sein Programm aus einem Container im Garten des Restaurants aus. Die neuen Ess-Erfahrungen stehen dabei im Vordergrund. “Dachgärten sind ein schöner Begriff für Menschen, die zusammenarbeiten, meint Patrick. “Der Begründer des Slow-Food, Carlo Petrini, sagte mir, der beste Treffpunkt sei eine Osteria, ein Familienlokal. Slow-Food verbindet sich für Carlo Petrini mit allem, was gut, sauber und fair ist. Darum geht es auch in unseren Sendungen.” Gemüse und Obst, die vor Ort gedeihen, und eine neue Ess-Kultur sind im Aufwind in New York. Big Apple goes organic.