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Russlands Vertreter bei der NATO: Uns sind unsere Afghanistan-Erfahrungen nicht bekommen

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Russlands Vertreter bei der NATO: Uns sind unsere Afghanistan-Erfahrungen nicht bekommen

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Dmitri Rogosin ist der ständige Vertreter Russland bei der NATO. Ihn fragen wir nach den russischen Erwartungen an den Gipfel in Lissabon – und auch, wie er die Voraussetzungen für eine möglicherweise engere Zusammenarbeit zwischen Russland und der NATO einschätzt.

Dmitri Rogosin
Wir erwarten vor allem von den Politikern der 29 Mitglieds-Staaten des NATO-Russlandrates ein starkes Signal in Richtung Öffentlichkeit, dass die Epoche des Kalten Krieges zwischen Russland und der NATO endgültig vorbei ist und Russland als Partner angesehen wird.

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Wie könnte dieses Signal aussehen?

Dmitri Rogosin
Vor allem sollte es eine ehrliche Diskussion darüber sein, wo unsere Positionen übereinstimmen und wo nicht. Ich denke, dazu gibt es drei große Fragen für den Lissabon-Gipfel.
Die erste betrifft die neue Strategie der NATO.
Zur zweiten Frage erwarten wir eine ernsthafte Diskussion über die Raketengefahr auf dem europäischen Kontinent und über die Raketenabwehr. NATO-Generalsekretär Rasmussen hat Russland zu dieser Arbeit eingeladen.
Bei der dritten Frage geht es um Afghanistan, denn hier geht es um ein gemeinsames Problem.
Von Afghanistan geht eine Gefahr für unsere Sicherheit aus.
Die Russische Föderation unterstützt die NATO-Staaten bei ihren Bemühungen, dem afghanischen Volk Selbstbestimmung zu verhelfen, zu mehr Fähigkeiten, die Stabilität im Lande zu sichern und damit auch in der Region.

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Früher war Moskau entschieden gegen einen Nato-Beitritt von Ukraine und Georgien.
Sind Sie jetzt bereit, so eine Erweiterung zu akzeptieren?
Und wenn ja – zu welchen Bedingungen?

Dmitri Rogosin
Die Russische Föderation ist kategorisch gegen eine weitere Ost-Erweiterung der NATO.
Wir sind dagegen, dass ausländische Militärstruktur noch näher an unseren Grenzen heranrückt.
Es ist paradox – nicht nur Russland wünscht beide Länder nicht in der NATO zu sehen.
Die Ukraine selbst möchte nicht in die NATO.
Georgien hat vor zweieinhalb Jahren
mit einer vollkommen unsinnigen Aktion zwei autonome Gebiete bedroht – mit seiner Aggression gegen Süd-Ossetien und schlimmer noch, dem Mord an russischen Blauhelmsondaten.
Ich denke, das Kapitel eines georgischen NATO-Beitritts ist auf lange Zeit geschlossen.
Sicher, die NATO wiederholt gebetsmühlenartig, dass die Politik der offenen Tür immer noch aktuell sei. Aber die ernsthaften Leute im Westen verstehen, dass Georgien und Ukraine derzeit weiter von der NATO entfernt sind als vor 3 Jahren.

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Wenn Europäer und Amerikaner über ein mögliches Raketenabwehrsystem diskutieren, gehen sie immer davon aus, dass die Bedrohung aus dem Iran kommt. Sieht sich Moskau auch von dort bedroht?

Dmitri Rogosin
Wir mögen es grundsätzlich nicht, wenn andere Länder verteufelt werden. Auch nicht, wenn wir dabei als die Guten gelten. Das ist ungerecht.
Wir glauben, dass man mit militärischen Mitteln, mit Drohgesten kein einziges Problem lösen kann.
Der Iran ist ein Land mit einer demokratisch gewählten Regierung – kein Tyrannenstaat.

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Wie könnte denn eine Zusammenarbeit zwischen Russland und NATO in der Frage der Raketenabwehrsysteme aussehen?

Dmitri Rogosin
Ich will nichts vorwegnehmen, was der russische Präsident in Lissabon sagen könnte.
Ich denke, er ist zu einer ernsthaften Debatte bereit über die Fragen der globalen Bedrohung.
Er ist auch bereit, neue interessante Ideen von russischer Seite vorzuschlagen.
Ich denke, Russland wird bei diesem Gipfel sehr konstruktiv auftreten.

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Die NATO setzt ihre Afghanistan-Operation fort.
Könnte Russland an diesem Krieg teilnehmen – direkt oder durch Waffenlieferungen?

Dmitri Rogosin
Russland hat seine Erfahrung mit einem Afghanistankrieg bereits gemacht – als Teil der Sowjetunion. Das ist uns nicht bekommen.
Ich denke, es wird auch bald unseren NATO-Kollegen nicht mehr gefallen.