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Dick Roche: "Wir müssen eine Lösung finden, die für die Eurozone gut ist"

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Dick Roche: "Wir müssen eine Lösung finden, die für die Eurozone gut ist"

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Der Druck auf die irische Regierung wächst, im eigenen Land und auch im Ausland. Für Euronews hat Nial O’Reilly mit dem irischen Europaminister Dick Roche gesprochen.

euronews:
Ein Expertemteam der EU und des Internationalen Währungsfonds soll bald nach Dublin reisen, um festzustellen, wie viel Geld tatsächlich benötigt wird. Das scheint darauf hinzudeuten, dass eine Rettungsaktion unvermeidlich ist…

Roche:
Man muss das im Zusammenhang sehen. Die europäischen Wirtschafts- und Finanzminister haben die Entscheidungen der irischen Regierung gebilligt. Das Problem ist, dass die Reaktionen der Märkte in den letzten zwei, drei Wochen immer negativer wurden, vor allem wegen der Sorgen um den Bankensektor. Dabei ist unsere nationale Position sehr stabil. Wir verfügen bis Mitte 2011 über die nötigen finanziellen Mittel…

euronews:
Man kann die Märkte aber nicht dafür verantwortlich machen. Sie bewerten die Lage aufgrund der vorliegenden Informationen, und derzeit sieht es schlimm aus.

Roche:

In Wahrheit sieht es nicht ganz so schlimm aus. Irland hat sich aus dem Anleihenmarkt zurückgezogen, wir müssen nicht wegen zu hoher Staatsschulden an die Börsen. Unser Finanzministerium verfügt über einen ordentlichen Liquiditätspuffer und wir haben auch im Pensionsfonds noch Spielraum. Was die Märkte verständlicherweise nervös macht ist der Bankensektor. Das Expertenteam der EU und der EZB wird untersuchen, wie man dieses spezielle Problem angehen kann und wie wir wieder Vernunft und Stabilität in die Märkte bringen können.

euronews:
Es besteht das Risiko, dass sich die Krise auf finanziell instabile Länder wie Spanien und Portugal ausbreitet. Sind Sie nicht verpflichtet, bald darüber zu entscheiden, ob Irland den Rettungsschirm beansprucht oder nicht? Schließlich will die EU eine schnelle Entscheidung.

Roche:
Ich möchte die Reaktionen der europäischen Partner hier nicht beurteilen. EU-Kommissar Olli Rehn war vor knapp zehn Tagen hier und er hat angedeutet, dass er mit den Budgetentscheidungen der irischen Regierung sehr zufrieden ist. Er hat an den Diskussionen darüber teilgenommen, wie das nächste Budget aussehen soll, das Anfang Dezember fixiert werden könnte, und er hat sich vor allem für unseren Vier-Jahres-Plan interessiert. Und die Ecofin-Minister haben alle unsere Schritte in der Frage des Bankensektors gebilligt. Wir haben beispielweise eine nationale Schuldenkommission etabliert…

euronews:
Diese Maßnahmen wurden von der EU gelobt, aber die Gemeinschaft will eine schnelle Entscheidung, die ein Ausbreiten der Krise verhindert. Können Sie bestätigen, dass eine Entscheidung eher in Tagen als in Wochen fallen wird?

Roche:
Wir sind sehr entschlossen, mit unseren europäischen Partnern zusammenzuarbeiten. Es geht nicht darum, dass wir irgendeinen Vorschlag ablehnen. In Wahrheit haben wir diese Vorschläge bis jetzt nicht gesehen, daran wird noch gearbeitet. Wir haben in der letzten Zeit immer wieder klargestellt, dass das Problem auf europäische Weise gelöst wird, gemeinsam mit unseren Partnern. Grundsätzlich müssen wir eine Lösung finden, die nicht nur für Irland gut ist, sondern für die ganze Eurozone.