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"Karatschigate" in Frankreich: Neue Vorwürfe, alte Rechnungen

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"Karatschigate" in Frankreich: Neue Vorwürfe, alte Rechnungen

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Die Affäre heißt „Karatschigate“ und brodelt in Frankreich seit mehr als 15 Jahren. Es geht um Rüstungsdeals und Korruption zwischen Frankreich und Pakistan. Fest steht vor allem: 14 Menschen sind tot, gestorben bei einem Bombenattentat in Karachi im Mai 2002.

“Es scheint, dass in 2 Fällen der dringende Verdacht besteht, dass sogenannte Retrokommissionen geflossen sind,” so Ex-Ministerpräsident Dominique de Villepin gestern, “und zwar bei einem Vertrag mit Pakistan, dem U-Boot-Kontrakt und einem Vertrag mit Saudi-Arabien.”

Bei Retrokommissionen fließt ein Teil von Provisionszahlungen über dunkle Kanäle an den Auftraggeber zurück.

Es geht um das Jahr 1994. Damals regierten Präsident Francois Mitterrand und Regierungschef Edouard Balladur – mit einem gewissen Nicolas Sarkozy als Haushaltsminister.

Das war das Jahr, in dem die französische Rüstungswerft DCN drei Unterseeboote des Typs Agosta an pakistanische Militärs verkaufte. Gesamtwert: 825 Millionen Euro. Rund 83 Millionen Euro Schmiergelder an pakistanische Mittelsmänner und Militärs gehörten mit zum Deal, was damals weder unüblich noch verboten war.

Ein Jahr später wurde Jacques Chirac Präsident und stoppte die Zahlungen nach Pakistan.

Laut Geheimdienst gab es Hinweise, wonach ein Teil der Korruptionsgelder heimlich nach Frankreich zurückgeflossen waren, um in der Wahlkampfkasse des Konkurrenten Balladur zu landen, dafür zuständig: ein gewisser Nicolas Sarkozy. Die Kasse war gut gefüllt dank ungewöhnlich hoher Bargeldeingänge von mehr als 65 Millionen Euro.

Sieben Jahre später knallte es in Karatschi, unter den Toten waren elf Mitarbeiter der Rüstungswerft DCN.

Angehörige verlangen nun die öffentliche Anhörung des Staatspräsidenten Sarkozy, seines Vorgängers Chirac und dessen Mitarbeiters Villepin.