Eilmeldung

Eilmeldung

Papst rückt ab vom Kondomverbot - Kritik an westlicher "Gier des Glücks"

Sie lesen gerade:

Papst rückt ab vom Kondomverbot - Kritik an westlicher "Gier des Glücks"

Schriftgrösse Aa Aa

Papst Benedikt XVI. lehnt Kondome nicht mehr kategorisch ab. In einigen einzelnen Fällen könnten Präservative gerechtfertigt sein, sagt das

katholische Kirchenoberhaupt in einem demnächst erscheinenden Gesprächsbuch des Autors Peter Seewald “Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit.”

Als Beispiel nennt Benedikt Prostituierte, die auf

Kondomen bestehen, um sich nicht mit AIDS anzustecken. Das könne “ein erster Akt der Verantwortung sein, um so wieder ein Bewusstsein der Tatsache zu entwickeln, dass nicht alles

erlaubt ist, und dass man nicht alles tun kann, was man will.”

Bisher hatte die katholische Kirche Kondome kompromisslos verboten, weil sie als Form künstlicher Empfängnisverhütung gelten.

Für viele in der katholischen Kirche ist das eine historische Wende.

Teresa Dimarco aus Rom:

“Die Kirche muss sich öffnen, weil sich die Zeiten ändern. Empfängnisverhütung sollte erlaubt sein.”

Ein Kirchgänger in Frankreich sagt:

“Ich glaube, das war überfällig, das war notwendig, sich so zu positionieren.”

Noch bei seiner Afrikareise im März vergangenen Jahres hatte Benedikt Kondome verurteilt. “Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem”, hatte Benedikt damals gesagt.

Odon Vallet, Professor für Geschichte und Religion:

“Das verändert unsere Sicht auf die, die Kondome benutzen, damit sich die Krankheit nicht weiter verbreitet. In Afrika und in Asien ist das sehr wichtig.” Der Papst, bekehrt zur Libertinage ? Das Gegenteil ist der Fall. Benedikt liest dem Westen die Leviten.

Im Westen sei eine Gier des Glücks entstanden.

Sextourismus zum Beispiel sei aus dem Überdruss und der falschen Freiheit der westlichen Welt geboren. Der Westen trage auch die Verantwortung für die verheerenden Auswirkungen des Drogenanbaus und -handels.