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Irland muss den Bankensektor in Ordnung bringen

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Irland muss den Bankensektor in Ordnung bringen

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Um die Konsequenzen des Rettungsplans zu erörtern, hat Seamus Kearney mit Professor Brian Lucey in Dublin gesprochen, er lehrt an der School of Business des Trinity College und war auch schon Ökonom der irischen Zentralbank.

Euronews: “Wie ist diese Kehrtwende zu verstehen? Erst wurden Hilfeersuchen dementiert, und nun dieser massive Antrag?”

Lucey: “Na, die einzigen, die das vielleicht überrascht hat, sitzen in der Regierung. Das sind vor allem die Minister, die entsandt wurden, um zu sagen, dass keine Hilfe beantragt werden. Aber die Hunde auf der Straße wussten, dass der IWF in der Stadt ist, dass Diskussionen im Gange waren, dass es technische Diskussionen gab. Und nach diesen Diskussionen war fast zwangsläufig mit einer Art Hilfeersuchen zu rechnen. Die Regierung hat sich also völlig blamiert, – nicht, weil sie dementiert hat, sondern wie sie das getan hat, und wie nachdrücklich. Und damit hat sie den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verloren.”

Euronews: “Wie weiter mit der irischen Wirtschaft? Kann sie sich erholen, um den einst mächtigen keltischen Tiger zu wecken?”

Lucey: “Der keltische Tiger war tatsächlich Ergebnis einer auf Export und weltweiten Wettbewerb ausgerichteten Wirtschaft in den 90er und frühen 2000er Jahren. Davon sind wir abgekommen, es kam zum Kreditboom, der hat die Probleme maskiert. Besonders dem Privatsektor ging es ziemlich gut. Unsere Exporte sind stark geblieben – fast wunderbarerweise. Und es gibt Belege dafür, dass die Industrieproduktion steigt. In den Wurzeln geht es der irischen Wirtschaft also sehr gut. Entscheidend ist nun, den Bankensektor in Ordnung zu bringen, damit Unternehmen im Aufschwung an Kredite kommen. Derzeit haben die Banken kaum etwas zu vergeben, können keine Kredite gewähren, selbst wenn die antragstellenden Unternehmen gute Projekte haben.”

Euronews: “Im größeren Rahmen geht es hier ja auch um die Eurozone und die Ansteckungsgefahr. Was haben wir von Irland gelernt, und wird das die Ansteckung verhindern?”

Lucey: “Die Lektion ist meines Erachtens, dass Regierungen frühzeitig handeln müssen, dass sie unter Umständen sehr, sehr hart reagieren müssen, um nationale Interessen zu schützen. In manchen Ländern geht es dabei um Beschränkungen und gehätschelte Branchen, die das Wachstum hemmen. In Irland ging es um die Banken.

Das also müssen Regierungen tun, und wenn sie es nicht können, müssen wir einen Mechanismus finden – wenn wir wollen, dass dieses Euro-Experiment weitergeht-, der eine solche fiskalische und wirtschaftliche Nachlässigkeit ins Zentrum rückt, wenn es auf lokaler Ebene nicht möglich ist.

Ob die Ansteckung damit gestoppt werden kann, ist unklar. Die Financial Times hat heute einen Teil mit der Überschrift “… und nun Portugal”. Die internationalen Anleihenmärkte sind ziemlich erbarmungslose Bestien. Portugal wird unter Druck kommen. Dass die EU und der IWF im Hinblick auf Irland und Griechenland hart vorgegangen sind, zeigt meines Erachtens, dass sie den Kampf aufnehmen wollen. Aber man kann den Kräften des Marktes nicht endlos widerstehen. Daher müssen Irland, Portugal, Griechenland, Spanien und andere ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen. Sonst wird weiter Blut fließen.”