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Wackelkandidat Portugal

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Wackelkandidat Portugal

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Der portugiesischen Regierung ist es trotz drastischer Sparmaßnahmen nicht gelungen, die Pleitegeier zu verscheuchen.

Experten zufolge steckt das Land in einer Großen Depression. Die Wirtschaft wuchs in den vergangenen zehn Jahren kaum, die Industrie ist international nicht wettbewerbsfähig, reihenweise melden Firmen Insolvenz an.

Das Haushaltsdefizit erreichte 2009 den Rekordwert von 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieses Jahr soll das Minus auf 7,3 Prozent gedrückt werden.

Doch auf den Finanzmärkten wächst die Nervosität. Viele befürchten, dass Portugal, wie vor ihm Griechenland und Irland, nicht um einen Gang nach Canossa herumkommt und bald Brüssel um Geld bitten muss.

Der portugiesische Ministerpräsident Jose Socrates erklärte unterdessen:

“Wir haben sehr umfangreiche und schwierige Maßnahmen für nächstes Jahr ergriffen, um das Defizit von 7,3 auf 4,6 Prozent zu senken. Auf diese Weise schützen wir unser Land.”

Allen Bemühungen zum Trotz zeigt das Sparprogramm bislang keine Wirkung. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds gibt es für 2010 keine Anzeichen einer Konsolidierung.

Die portugiesische Regierung steht mit dem Rücken zur Wand und verschärft ihren Sparkurs. Die Mehrwertsteuer soll auf 23 Prozent steigen. Außerdem will Lissabon bei den Ausgaben für den öffentlichen Dienst sparen.

Die Regierung rechnet für das kommende Jahr mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Der Internationale Währungsfonds hingegen prophezeit Portugal den Rückfall in die Rezession.

Für 2010 erhofft sich die Regierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent.

Wirtschaftsexperten zufolge ist es mit Sparmaßnahmen allein nicht getan: “Wir müssen ein stärkeres Wachstum aufweisen als die anderen europäischen Staaten. Wir müssen mehr sparen und Gewinne erzielen. Das ist der einzige Ausweg. Dieser Plan geht nicht weit genug.”

Hinter den Zahlen verbirgt sich das Elend der Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 10 Prozent. Viele Familien sind hochverschuldet und die Zahl der Armen steigt.

Laut den karitativen Verbänden des Landes ist die Not groß. Unter den Menschen, die zu ihnen kommen, geht jeder Vierte ab und zu hungrig zu Bett, weil er den ganzen Tag über nichts gegegssen hat.