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Haiti: Wahl zwischen Protest und Cholera

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Haiti: Wahl zwischen Protest und Cholera

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Massive Probleme und Proteste bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen in Haiti: 12 von 18 Präsidentschaftskandidaten wollen die Wahlen abbrechen lassen. Der Grund: Die Regierung von Präsident René Préval soll ihrer Ansicht nach die Wahlen mit massiven Fälschungen beeinflusst haben. Kandidaten wie der Sänger Michel Martelly oder der frühere Regierungschef Jacquez Edouard Alexis beklagten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, den Menschen werde massenhaft das Wahlrecht vorenthalten. Die Kandidatin Anne Marie Josette Bijou sagte: “Trotz eines Kontrollsystems gegen Wahlbetrug gab es Unregelmäßigkeiten. Wir verlangen daher, die Wahlen auszusetzen.” Bereits bei Öffnung der Wahllokale gab es vielerorts Probleme. Oft fehlten die Wahlunterlagen, oder die Wahllisten waren falsch verteilt worden. Mehrere Wahllokale wurden mit stundenlanger Verzögerung geöffnet. In einigen Städten kam es zu Protesten. Viele Menschen waren laut Presseberichten wütend darüber, dass ihre Namen nicht in den Wählerlisten standen. Der aktuelle Präsident Préval darf aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht mehr antreten. Wahlergebnisse wurden für Montag angekündigt. Die Wahl fand unter extrem schwierigen Bedingungen statt. Kurz

nachdem der Wahlkampf im Oktober offiziell begonnen hatte, brach die Cholera in Zentralhaiti aus. Ihr Höhepunkt ist nach Angaben von Experten noch nicht erreicht. Bisher starben über 1600 Menschen, über 60 000 erkrankten

an der Seuche. Anfang November suchte ein Hurrikan das Land heim und zerstörte die Wohnungen Tausender. Im Januar dieses Jahres hatte ein Erdbeben die Hauptstadtregion verwüstet. Mindestens 220 000 Menschen starben, rund 1,5 Millionen wurden obdachlos.