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Hedegaard: Europa muss Lösungen finden und vorangehen

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Hedegaard: Europa muss Lösungen finden und vorangehen

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Im mexikanischen Cancún hat die zwölftägige

UN-Klimakonferenz begonnen, die nach dem enttäuschenden Gipfel von Kopenhagen Lösungen gegen die Erderwärmung finden soll. Euronews sprach mit der EU-Kommissarin für Klimaschutz über Hoffnungen und Grenzen des Gipfels.

Adrian Lancashire, euronews: “Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimaschutz, ihre große Konferenz hat heute in Mexiko begonnen. Letzte Woche haben Sie gesagt, dass die verpflichtenden Klima-Vereinbarungen, zu denen die EU schon im Vorjahr bereit war, auch in Cancún keine Chance haben werden. Rücken wir dem Ziel kein Stückchen näher?”

Connie Hedegaard, europäische Kommissarin für Klimaschutz: “Ja, doch, aber wir werden nicht alles in diesem Jahr schon erreichen. Das ist die traurige Wahrheit. Ich denke, wir müssen realistisch bleiben, das bedeutet aber nicht, dass wir in Cancún nicht doch einige Dinge durchsetzen können. Ich hoffe, dass wir einige inhaltliche Entscheidungen durchbringen: Beim Waldschutz, in der Technologie; wie wir kontrollieren können, dass wir das einhalten, was wir versprechen… Das gilt für alle Staaten, auch beim Thema Finanzen und anderen Sachverhalten. Die Tatsache, dass wir noch keine bindende Vereinbarung haben, bedeutet nicht, dass wir nichts auf die Beine stellen. Europa tut, was immer in seiner Macht steht, um ein substantielles Paket von Entscheidungen in Cancún durchzusetzen. Das braucht die Welt.”

euronews: “Was kommt bestenfalls heraus? Oder besser, was erhoffen Sie sich? Gibt es Entscheidungen in letzter Minute?”

Hedegaard, Klimaschutzkomissarin: “Das ist meine siebte Klimaschutzkonferenz, aus Erfahrung kann ich sagen, dass vieles sich in allerletzter Minute ergibt. Wenn wir die Entscheidung treffen, wie den Entwicklungsländern angesichts des Klimawandels geholfen werden kann, dann ist das mehr als gar nichts. Das sind wichtige Dinge.”

euronews: “Sie sprechen von den Entwicklungsländern. Ich will auch über die EU sprechen. Die EU hat in Kopenhagen einen schnellen Start versprochen, aber Tage vor Beginn der Konferenz sprachen Sie auf einmal von fehlenden 200 Millionen Euro für die Mitgliedsstaaten, die Sie zum Einhalten der Versprechen brauchen. Wie sieht es damit aus?”

Hedegaard: “Während wir hier gerade sprechen, fehlen uns weiterhin besagte 200 Millionen Euro.

Die 7,2 Milliarden, die wir in Kopenhagen versprochen haben, betreffen jedoch die nächsten Jahre: Dieses Jahr, nächstes Jahr und das Jahr danach. Ich denke, wenn wir zuerst beweisen können, dass wir uns auf eine Anzahl substantieller Themen einigen können, und wenn die Industrienationen wie auch die EU beweisen, dass wir unsere finanziellen Versprechen einhalten, dann könnte und müsste das den Weg für international bindende Beschlüsse ebnen. Aber die Logik lautet: Zuerst die Inhalte, dann wird es auch leichter, sich auf eine rechtliche Form zu einigen.”

euronews: “Was die Praxis hier in Europa betrifft, haben Sie großen Unternehmen zu ihrem Umgang mit Kohlendioxid-Emissionen in diesem Jahr gratuliert. Gleichzeitig sagten Sie: “Reduziert die EU Ihre Emissionen zu schnell und zu stark, kann das Jobs kosten.” Wie kann man auch kleine Unternehmen davon überzeugen, ihren Beitrag zu leisten?”

Hedegaard: “Ich denke, die meisten EU-Bürger stimmen mit mir überein, dass wir Arbeitsplätze verlieren, wenn wir zu ambitioniert vorgehen. Aber man verliert auch Jobs, wenn man zu selbstgefällig wird und die Märkte einfach der Konkurrenz überlässt. Ich glaube, der Trick besteht darin, ein ehrgeiziges Gleichgewicht zu finden, soviel wie es geht zu tun und es in die richtige Richtung zu lenken. Wenn wir das auf intelligente Weise tun, dann verlieren wir keine Jobs. Am Ende werden wir ein Vorbild für viele sein, die unsere Lösungen in den kommenden Jahren anwenden wollen.”