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Nachhaltig, aber bitte mit Stil: Eco-Design


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Nachhaltig, aber bitte mit Stil: Eco-Design

“Hier haben Sie ein Beispiel für ökologisches Design: eine Trennwand aus Papier, leicht, biegsam, wiederverwertbar, in der Region hergestellt. Ihre Auswirkungen auf die Umwelt sind also aufs Minimum reduziert”, führt Anne-Marie Boutin, die Vorsitzende der französischen Agence pour la Promotion de la Création Industrielle ein Modell vor.

Frédéric Lecourt, Designer: “Seit gut fünf Jahren haben wir keinen Kunden mehr, der bei seinem Auftrag nicht ökologisches Design fordert. Das ist eine Selbstverständlichkeit geworden.”

Es geht um Form, Ästhetik und Umwelt: Nachhaltig, aber bitte mit Stil, ist die Devise beim Eco-Design, dem ökologischen Design. Das Konzept ist über die Jahre ausgereift: “Zu Anfang hieß Eco-Design, dass man recyceltes Material verwendet. Aber mit wachsendem Umweltbewusstsein merkte man, es geht nicht nur ums Material, das Material ist nicht von selbst ökologisch, sondern es kommt darauf an, wie man es nutzt”, erläutert Anne-Marie Boutin.

“Eco-Design heißt, die Entscheidungskriterien zu ändern. Anders nachzudenken. Das betrifft alle Lebensphasen des Produktes, seinen Entwurf, seine Herstellung, seine Verwendung und seine Entsorgung”, fügt Designer Lecourt hinzu.

In der “Cité des Sciences et de l’Industrie” in Paris sind derzeit über zweihundert Design- und Eco-Design-Produkte und -Projekte zu sehen. Ein Billard-Tisch aus örtlicher Produktion zum Beispiel, nicht mit Holz aus dem Amazonasbecken. Oder verschiedene Gegenstände aus Recycling-Stoffen, wie der Prototyp einer Parkbank.

“Ziel war, einen Gegenstand zu schaffen, der die Gemeinden und die Bewohner der Städte für die Wiederverwertung ihres eigenen Abfalls sensibilisiert. Es ist eine Bank geworden, hergestellt aus Milchkartons”, erzählt Boutin.

Die Bank aus Getränkekartons entstand im von Lecourt mitbegründeten Pariser Designbüro Sismo – im Auftrag von Tetrapak. Mehrere Vorgaben wollten die Designer erfüllen, berichtet Frédéric Lecourt: “Wir hatten die technischen Vorgaben des Eco-Designs, dann das Ziel der serienmäßigen industriellen Produktion und schließlich den Wunsch, den Leuten zu kommunizieren, dass so ein Karton recycelt werden kann. Da haben wir uns für ein Stadtmöbel entschieden, eine Bank, die vor deiner Haustür steht, ein Beweis, mit dem man durch Recycling den gesamten Zyklus greifbar macht.”

Der Getränkekarton besteht aus drei Materialien: Pappe, Plastik und Aluminium. Für die Pappe hat Frankreich schon ein breit eingeführtes Recyclingsystem. Beim Plastik und Aluminium, die ebenfalls in großen Mengen zurückbleiben, hapert es noch. Um die Aufwertung dieser Reste ging es.

“Dieses Material ist nicht sehr hübsch”, schränkt Lecourt ein. “Auch deshalb sind wir darauf gekommen, eine Bank daraus zu machen, ein großes Objekt. Man kann schlecht einen Gegenstand draus machen, der in die Hand passt. Für solch einen kleinen Gegenstand bräuchte man eine bessere Ausführung und Qualität im Ergebnis. Hier haben wir Eigenschaften wie UV-Beständigkeit, mechanische Widerstandsfähigkeit, aber der Stoff ist nicht homogen, man findet kleine Alu-Teilchen hier und da, Plastikstücke… Das stört überhaupt nicht, im Gegenteil, wir wollen damit zeigen, dass das eine recycelte Bank ist.”

4.000 Getränkekartons sind für eine solche Parkbank nötig. Es lassen sich aber auch Garten- und Spielmöbel für den Privatgebrauch daraus machen…

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