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Umstrittene Urteile in Concorde-Prozess

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Umstrittene Urteile in Concorde-Prozess

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Der Strafprozess um die Concorde-Katastrophe vor zehn Jahren ist zu Ende: Ein französisches Gericht hat für das Unglück die Fluglinie Continental und einen ihrer Mechaniker verantwortlich gemacht.

Es ging um das Teil, das ein Continental-Flugzeug auf der Startbahn verloren hatte. Dieses Teil beschädigte die nachfolgende Concorde der Air France und verursachte damit das Unglück: Es schlitzte einen Reifen auf, Teile des Reifens beschädigten den Tank, der austretende Treibstoff geriet in Flammen.

Continental muss nun 200 000 Euro Strafe zahlen, dazu an Air France eine Million Euro Entschädigung. Der Mechaniker erhielt Bewährung, sein Vorgesetzter kam frei. Freigesprochen wurden auch die drei französischen Angeklagten, frühere Verantwortliche des Concorde-Programms und der

Luftfahrtbehörde. Ihnen wurde zwar fahrlässiges Handeln angelastet, das aber keinen Zusammenhang mit dem Unglück gehabt habe.

Olivier Metzner, der Anwalt von Continental, wirft dem Gericht vor, es habe Frankreich schützen wollen. Das Urteil sei nicht im Namen des Rechts ergangen, sondern im Namen des Patriotismus. Damit habe man sich von Wahrheit und Gerechtigkeit entfernt.

Continental wird das Urteil daher anfechten. Air France dagegen fühlt sich durch das Urteil in seiner Argumentation bestätigt – bis in die letzten Einzelheiten, sagt der Anwalt der Fluggesellschaft, Fernand Garnault.

Andere haben aber ihre Zweifel an der Schuldverteilung: Roland Rappaport, ein Nebenklägeranwalt, fragt, wie denn ein einzelner Ingenieur Schuld haben könne, der einen platzenden

Reifen nicht vorhergesehen habe – während dem Flugzeugkonstrukteur und den Behörden nur Fahrlässigkeit angelastet werde.

Die Concorde geriet damals kurz nach dem Start vom Pariser Flughafen Roissy in Brand und stürzte in der Nähe ab. Dabei starben mehr als einhundert Menschen. Die meisten von ihnen waren Deutsche, die zu einer Kreuzfahrt nach New York wollten.

Die Hinterbliebenen sind durch die Versicherung von Air France entschädigt worden. Sollte es auch in einem zweiten Prozess bei dem Schuldspruch bleiben, würde sich die Versicherung das Geld wohl wiederholen wollen. Neben Continental müsste dann

auch EADS zahlen, der Rechtsnachfolger des Concorde-Herstellers Aérospatiale. Wegen des fahrlässigen Handelns bei Aérospatiale hat das Gericht nämlich auch festgelegt, dass sich EADS zu dreißig Prozent an solchen Zahlungen beteiligen muss.