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Dan O'Brien: "Wollt ihr radikale Maßnahmen ergreifen oder zusehen, wie der Euro zerbricht?"

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Dan O'Brien: "Wollt ihr radikale Maßnahmen ergreifen oder zusehen, wie der Euro zerbricht?"

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Die irische Finanzkrise scheint sich über ganz Europa zu verbreiten. Anleger befürchten, dass mehrere Staaten ihre Staatsschulden nicht begleichen können. Und so mancher Analyst sieht die gesamte Eurozone gefährdet. Wir sprechen mit Dan O’Brien, er ist Wirtschaftsredakteur bei der Irish Times. Mr. O’Brien, glauben die Iren, dass das rigide Sparprogramm das Land wieder zurück auf den Weg der Erholung bringen kann? Wie ist die Stimmung auf den Straßen?

Dan O’Brien:
Es ist eine Mischung aus Unsicherheit, Zorn und Angst. Meiner Ansicht nach herrscht nicht die Meinung vor, dass diese außerordentlichen Sparmaßnahmen das Land voranbringen und ihm einen Weg aus dem tiefen Loch weisen, in dem es derzeit steckt. Es gibt große Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation und darüber, wie man aus dieser schwierigen Lage herauskommen kann. Natürlich hat der Schock, den das Land erlebte, als es plötzlich gerettet werden musste, das Vertrauen nachhaltig erschüttert.

James Franey, euronews:
Welche Möglichkeiten hat Irland, wenn der Vier-Jahres-Plan der Regierung nicht funktioniert? Manche Politiker haben die Idee geäußert, die Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Wie glaubwürdig ist das?

Dan O’Brien:
Als Mitglied der Eurozone sind die Möglichkeiten für eine einzelne Regierung, einseitig einen Offenbarungseid zu leisten, sehr beschränkt. Diese Option wäre meiner Ansicht nach nur in Zusammenhang mit dem Zerbrechen des Euro denkbar. Die Alternative, wie sie auch in den Bedingungen des Rettungspakets genannt wird, wäre, dass diese Maßnahmen noch einmal sozusagen angehoben werden, das würde noch mehr Einschnitte und weitere Steuererhöhungen im nächsten Jahr bedeuten, wenn die Budgetziele nicht erreicht werden.

euronews:
Kann der Euro in seiner derzeitigen Form überhaupt überleben?

Dan O’Brien:
Das ist die Frage. Es gibt große Probleme, strukturell und auch hinsichtlich der internationalen Funktionsweise des europäischen Finanzsystems, und die Sorgen wachsen, dass jene Kräfte, die am Euro zerren, zu mächtig werden. Dagegen kann man etwas unternehmen, aber man bräuchte radikale Maßnahmen und manche Länder lehnen dies ab. Vermutlich wird es sich auf eine Frage reduzieren: Wollt ihr radikale Maßnahmen ergreifen oder zusehen, wie der Euro zerbricht? Es gibt die Möglichkeit, die einige Finanzminister angesprochen haben, die nationalen Staatsanleihen teilweise durch Euro-Anleihen zu ersetzen, die von der ganzen Eurozone getragen werden. Beide Varianten, die Euro-Anleihen oder das Zerbrechen der Gemeinschaftswährung, sind sehr umstritten. Die Euro-Anleihen würden Europa noch mehr zu einem einheitlichen Staatsgebilde machen und es ist fraglich, ob man als Antwort auf eine solche Krise die Integration vertiefen soll, während wir tatsächlich eher ein Auseinanderdriften als ein Zusammenwachsen beobachten.