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Irans Chefunterhändler bringt Forschermord mit UNO in Verbindung

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Irans Chefunterhändler bringt Forschermord mit UNO in Verbindung

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Nach 14-monatiger Unterbrechung haben die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates sowie Deutschland sich mit dem Iran wieder an einen Tisch gesetzt. Beide Seiten hatten lange über das iranische Atomprogramm verhandelt, bis es zum Bruch kam. Der zuständige iranische Chefunterhändler stellte sich den euronews-Fragen in Genf.

Nima Ghadakpour, euronews:
Mit welchem Ziel kommen Sie nach Genf? Welche Erwartungen haben Sie an die Verhandlungen?

Saeed Jalili, iranischer Chefunterhändler:
Vor meiner Reise nach Genf habe ich zwei, drei wichtige Punkte angesprochen. Zuallerst habe ich klar gemacht, dass über das Recht eines Volkes nicht verhandelt werden kann.

Zweitens: Wir halten das politische Vorgehen aus Dialog und Druck für nicht akzeptabel. In einem Brief, den ich an Frau Ashton geschrieben habe, habe ich Sie um eine Stellungnahme gebeten. Desweiteren habe ich vor meiner Reise nach Genf erklärt, dass der Iran bereit ist, seinen regionalen politischen und wirtschaftlichen Einfluss für gemeinsame Ziele einzusetzen. Wir haben diese Fragen in den Verhandlungen angesprochen. Die großen Mächte haben sich ihrerseits geäußert und wir haben beschlossen, die Verhandlungen über gemeinsame Ziele fortzusetzen. Das war die Schlussfolgerung von Frau Ashton, die von der Gruppe 5 plus 1 bestätigt wurde. Wir bestätigen auch, dass wir bereit sind, weiter über gemeinsame Ziele zu verhandeln.

euronews:
Im Iran denken einige, dass das Land sich mittlerweile nuklear selbst versorgen kann. Andere im Westen denken, dass die iranischen Behörden auf Zeit spielen; sie halten den Fortgang der Verhandlungen für überflüssig. Was steckt ihrer Meinung nach hinter der Wiederaufnahme der Verhandlungen?

Saeed Jalili:
Das Ziel dieses Dialogs ist die Zusammenarbeit. Er fokussiert nicht das iranische Atomprogramm. Der Dialog basiert auf der Zusammenarbeit angesichts gemeinsamer Besorgnisse. Momentan kreist die Besorgnis der internationalen Gemeinschaft um die atomare Abrüstung. Warum haben die anderen Großmächte noch nicht abgerüstet? Warum haben die USA den Vertrag über die atomare Nichtverbreitung verletzt und mehr als 240 atomare Sprengköpfe stationiert? Das beunruhigt auch die Europäer. Es handelt sich um wichtige Fragen, die wir uns heute stellen müssen. Welche Mächte haben das zionistische Regime mit atomaren Waffen versorgt? Diese Sorge wird von der internationalen Gemeinschaft geteilt und wir müssen sie zur Kenntnis nehmen. Wenn nun dieser Dialog zu einer wirklichen Zusammenarbeit und zur nuklearen Abrüstung in der Welt führt und außerdem die Verbreitung atomarer Waffen verhindert sowie gleichzeitig die friedliche Zusammenarbeit zwischen den Nationen fördert, dann kann er durchaus nützlich sein.

euronews:
Wird der Iran das Ende der Sanktionen verlangen? Das Thema wurde heute auch von Präsident Ahmadinedschad angeschnitten.

Saeed Jalili:
Hören Sie, ein Thema, das wir in den Verhandlungen ansprechen werden, ist, dass einige sich schlichtweg verrechnet haben. Deswegen werden falsche Entscheidungen getroffen.

In der Vergangenheit wollten sie den Fortschritt der iranischen Nation durch Sanktionen verhindern.

Heute stellt man fest, dass die Sanktionen diesen Ländern Kosten verursacht haben. Die Bevölkerung dieser Länder nimmt Kontakt mit uns auf und beschwert sich, auf den iranischen Markt verzichten zu müssen. Das ist ein sehr ernstes Thema. Heute stellen Sie fest, dass es uns wirtschaftlich und politisch sehr gut geht bis hin zu dem Punkt, dass wir dabei sind, das größte wirtschaftliche Projekt des Landes durchzuführen; ein Projekt, dass als wirtschaftliche Chirurgie aufgefasst wird. Wenn es uns wirtschaftlich nicht so gut ginge, wie könnten wir sonst ein solches Projekt realisieren?

Ein weiterer Punkt, der beleuchtet werden muss, ist die Ermordung eines iranischen Forschers in der letzte Woche. Das ist ein großer Skandal für den Weltsicherheitsrat, der die Namen der Wissenschaftler in den Resolutionen genannt hat, indem er es den Terroristen ermöglichte, die Resolutionen zu verwenden.

euronews:
Sie sagen vom Sicherheitsrat, dass er die Namen der iranischen Wissenschaftler enthüllt hat und verantwortlich ist für die Ermordung?

Saeed Jalili:
Ja, es gibt eine klare Verbindung. Die Inspektoren der IAEO haben die Namen der Wissenschaftler erfahren und sie an den Weltsicherheitsrat weitergegeben. Nach der Veröffentlichung der Namen durch die UNO wurde der Forscher von Terroristen getötet. Der internationalen Gemeinschaft muss das erklärt werden.