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Cancun: Europa muss im Klimarennen die Nase vorn haben

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Cancun: Europa muss im Klimarennen die Nase vorn haben

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Der Klimagipfel in Cancun geht zu Ende. Das ist aber nicht das Ende der Debatten.

Johannes Bahrke, euronews: In Mexiko verfolgt Jo Leinen den Gipfel, er ist der Vorsitzende des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments und wir sind jetzt mit ihm verbunden. Herr Leinen, am Ende ist doch vor allem Kyoto, oder?

Jo Leinen, Europaabgeordneter für die SPD in der Sozialdemokratischen Fraktion: “Ja, das Kyoto-Protokoll ist die große Kontroverse hier. In Cancun soll es eine zweite Verpflichtungsperiode für die Industrieländer geben oder eine Verpflichtung für alle auf der Welt. Das ist der Streit, den wir schon in Kopenhagen hatten, den haben wir hier in Cancun auch wieder. Und im Moment ist noch keine Lösung in Sicht.

euronews: Also sind wir gar nicht viel weitergekommen?

Leinen: Der Fortschritt ist leider eine Schnecke, es ist alles sehr zäh. Im Prinzip ist das sehr enttäuschend, was hier läuft. Ländergruppen blockieren sich gegenseitig. So kommen wir einfach nicht voran im weltweiten Klimaschutz und wir können keine Zeit mehr verlieren. Die Zeit drängt, es müssten hier eigentlich Entscheidungen getroffen werden.

euronews: Sie leiten eine 15-köpfige Delegation von Abgeordneten, aber als Europaparlament haben Sie kaum Kompetenzen in Klimafragen, was ist denn Ihr Ansatz in Cancun?

Leinen: Nun, wir schauen, ob die Europäische Union ihre Versprechen einlöst. Und wir haben natürlich auch viele Kontakte mit den Parlamenten anderer Staaten: Mit Brasilien, Südafrika, Indien, und die Bürgerkammern dieser Welt versuchen die Regierungen zu drängen, mehr für den Klimaschutz zu tun.

euronews: Wie geht es denn nun weiter? Soll die EU sich selbst höhere Ziele stecken, auch wenn man international nicht weiterkommt?

Leinen: Ja, wir sind der Meinung, wir sollten Klimaschutz im eigenen Interesse tun. Es wird uns helfen, die Energieimporte zu reduzieren, also wir werden Geld sparen. Und zur gleichen Zeit können wir eine grüne Ökonomie aufbauen mit vielen neuen Arbeitsplätzen. Also, wir sollten einen Startegiewechsel machen in Europa, unsere Bemühungen nicht mehr abhängig machen von anderen, sondern im eigenen Interesse diesen Weg gehen, der sowieso im 21. Jahrhundert gegangen werden muss. Wer da die Nase vorne hat, der wird am Schluss am meisten gewinnen.

euronews: Also ganz kurz: Heißt das höhere Ziele?

Leinen: Das EU-Parlament ist dafür, dass wir von 20% CO-Reduktion auf 30% für 2020 hochgehen. Wir wissen, dass wir das schaffen können. Es wird auch nicht viel kosten. Im Gegenteil, es wird uns Vorteile bringen, und wir haben im Europa die Kapazitäten, wir haben die Forschungseinrichtungen, wir haben die Industrien, die investieren wollen, die einen klaren Rahmen brauchen. Und deshalb hoffen wir, dass der Europäische Rat diesen Beschluss auch fassen wird.