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Können Skistationen 'grün' sein?


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Können Skistationen 'grün' sein?

Wintersportleidenschaft, wirtschaftliche Interessen und Sorge um die Natur in den Bergen – sobald die Skisaison startet, beginnt auch der Konflikt zwischen diesen Aspekten wieder. Kritiker vergleichen Skipisten mit Autobahnen in den Bergen, doch gleichzeitig bemühen sich immer mehr Skistationen um Schadensbegrenzung – zum Beispiel in Tignes, in den französischen Alpen.

Viele Öko-Ideen sind einfacher als man denkt: Sogenannte ‘Schneefallen’ zum Beispiel. Arnaud Trinquier ist für die Pisten in Tignes verantwortlich. Er erklärt die ‘Schneefallen’: “Der Luftstrom wird durch die eine Absperrung reduziert, dadurch fällt der Schnee dahinter. Man kann ihn also genau dahin lenken, wo man ihn braucht, nämlich auf die Ski-Pisten. Man kann damit den Schnee auf einer Fläche ansammeln, die rund 30 mal so breit ist wie die Absperrung hoch. Bei einer Absperrung von Anderthalb Metern ergibt das also 45 Meter Schnee.”

Wenn es aber darum geht, die Pisten zu glätten, ist der Umwelteinfluss keienswegs neutral. Pistenraupen sind Tag und Nacht unterwegs: Riesenmaschinen, die bis zu 30 Liter Heizöl pro Stunde verfackeln. Einem der Schneeraupenfahrer zufolge kann man aber bewuster fahren – wie im Auto: “Das heisst zum Beispiel, die Drehzahlen nicht in die Höhe zu jagen aber auch: regelmässig den Schnee entfernen, um nicht mit zuviel Gewicht herumzufahren!”

Mit einer einfachen Maßnahme, wie den Motor während des Tankens abzustellen, werden Tausende Liter gespart. Und moderne Schneekanonen verbrauchen ein Drittel weniger Energie als noch vor 5 Jahren. Dennoch ist ihr Einsatz nicht unumstritten. Vincent Neirinck gehört einer der Bürgerinitiative an, die sich um das Wildleben in den Bergen kümmert: “Als die ersten Schneekanonen aufkamen, dachten wir: ‘prima’, damit kann die Trend in die Höhe gestoppt werden: Die Stationen begannen damals, die Gletscher zu Pisten auszubauen, weil wegen des Klimawandels der Schnee in den niedrigeren Lagen immer weniger wurde. Dann aber wurden die Kanonen zu einem Verkaufsargument – und jetzt stellt man die überall auf!”

In Tignes gibt es rund 350 Schneekanonen, bis in 2800 Meter Höhe. Auch wenn sie weniger verbrauchen und verschmutzen, es bleibt die Frage des Wasserverbrauchs; jährlich sind das allein in Tignes rund 10.000 Kubikmeter. Der Pistenchef erklärt, dass das aber nicht unbedingt auf Kosten der Umwelt geht: “Das Wasser kommt aus einem See und es wird in Form von Schnee auf die Hänge geblasen. Später, im Frühling, schmilzt der Schnee und das Wasser fließt in den See zurück. Insgesamt hat das ganze also eine fast neutrale Bilanz!” Vincent Neirinck von der Bürgerinitiative zufolge ist das aber nicht der Knackpunkt: “Vieles ist heute sogar ziemlich gut. Aber – und da ist das eigentliche Problem – es wird zu dem, was es schon gibt, hinzugefügt. Also: immer mehr Wachstum auf Kosten der Umwelt und der Berge!”

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