Eilmeldung

Eilmeldung

Estland - der Euro-Musterschüler?

Sie lesen gerade:

Estland - der Euro-Musterschüler?

Schriftgrösse Aa Aa

Estland wird Euroland: Ab dem 1. Januar 2011 ist das kleine Land mit rund 1,4 Millionen Einwohnern das 17. Mitglied der Eurozone. Mit einem harten Sparkurs hat man sich auf die Einführung der Gemeinschaftswährung vorbereitet – mit Erfolg. Die Staatsverschuldung Estlands liegt bei rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das Budgetdefizit für 2011 wird mit bloß 1,3 Prozent beziffert. In der Bevölkerung ist der Euro umstritten. Manche freuen sich auf ihn, so etwa eine Passantin in Tallinn, die hofft, dass das Leben mit dem Euro einfacher wird. Estlands Finanzminister Jürgen Ligi hofft, dass die Euro-Einführung mehr Investoren anlockt und so die Wirtschaft stärkt. Die derzeitigen Turbulenzen will Ligi lieber inner- als außerhalb der Eurozone erleben: “Es ist besser, mit im Boot zu sein, wenn es stürmisch wird.”

Aber genau auf diese Stürme verweisen die Euro-Skeptiker. Immerhin erlebt die Gemeinschaftswährung gerade die größte Krise ihrer Geschichte – und Estland wird sich sofort nach der Euro-Einführung mit insgesamt 128 Millionen Euro am Hilfspaket für Irland beteiligen müssen. “Estland tritt der Eurozone zum schlechtesten Zeitpunkt bei”, meint ein Mann in Tallinn, “denn derzeit ist das ganze europäische Projekt bedroht.” Sogar die EZB sieht den Beitritt Estlands kritisch. Sie befürchtet, dass Tallinn die Inflation nicht im Griff hat. An diesem Problem war 2007 der erste Versuch Estlands, der Eurozone beizutreten, gescheitert. Für 2011 erwarten Experten in Estland eine Inflation von 3,5 Prozent.