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Unruhen In Tunesien

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Unruhen In Tunesien

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Dieses Foto stammt aus Tunesien. Aufgenommen am 17. Dezember. Ein 26jähriger hatte sich mit Benzin übergossen und angezündet.

Von dem, was danach auf den Straßen der Kreisstadt Sidi Bouzid geschah, gibt es nur wenige mit Handies gefilmte Bilder.

Denn öffentliche Proteste der Bürger sind in Tunesien eine Seltenheit, Berichte einheimischer Medien darüber gibt es praktisch gar nicht.

Der junge Selbstmörder war ein Hochschulabsolvent ohne Arbeit. Er schlug sich mit dem Straßenverkauf von Obst und Gemüse durch. Ohne Genehmigung.

Als Polizisten seine Waren beschlagnahmten, zündete er sich vor einem Behördengebäude an.

Inzwischen ist er an seinen schweren Verbrennungen gestorben.

Die Reaktion des Staates sorgte für einen weiteren Toten, als Polizisten in die protestierende Menge schossen.

Sidi Bouzid lieg abseits der Touristenzentren etwa in der Mitte des Landes. Dort, wo die Arbeitslosigkeit den offiziell für das Land angegebenen Durchschnittswert von 14 Prozent weit übersteigt. Gleich daneben der Ort des zweiten Selbstmordes eines arbeitslosen Jungsakademikers

So ruhig, wie Touristen Tunesien erleben, wurde es unter dem Regime der harten Hand von Ben Ali.

Als Präsident seit 23 Jahren im Amt. Als erste Reaktion auf Selbstmorde und Unruhen entließ er den Minister für Kommunikation. In einer Fernsehrede sprach der Alleinherrscher von “politischer Instrumentalisierung” der Tragödien.

Und dann folgte das Versprechen, Arbeitsplätze zu schaffen.

Aus Tunesien drang nach den Anschlag von Djerba auf westliche Touristen 2002 kaum mehr eine Meldung nach außen. Ben Ali hält sich zugute, dass bombende Fanatiker hier offenbar nicht Fuß fassen konnten. Nun wird er mit der Sprengkraft sozialer Probleme konfrontiert.