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Haiti - ein Jahr nach dem Beben

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Haiti - ein Jahr nach dem Beben

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Der Präsidentenpalast in Port au Prince liegt immer noch in Trümmern. Man kann das durchaus als Symbol verstehen für die Lage in Haiti ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben. Wer das Land heute sieht, fragt sich, was schlimmere Folgen hat – das Erdbeben der Stärke 7 oder die schon vorher vorhandenen Strukturprobleme.

Von den 20 Millionen Qubikmetern an Trümmern sind nach einem Jahr nur fünf Prozent weggeräumt.

Mehr als hunderttausend Häuser wurden zerstört, mehr als zweihunderttausend beschädigt – aber nur 15 Prozent der dadurch benötigten vorübergehenden Behausungen sind fertig.

Mehr als 800.000 Menschen müssen auch ein Jahr nach dem Beben in Notlagern wie diesem in Zelten leben. Der Neubau von Wohnungen zieht sich hin.

Internationale Hilfsorganisationen beklagen immer noch enorme Abstimmungsprobleme. Vorgesehen war, zunächst einmal solche schnell zu errichtenden Holzhäuser zu bauen, damit die Menschen überhaupt erst ein Dach überm Kopf bekommen.

Die halten dann zwar nur 7 bis 10 Jahre. Dafür kostet so ein 25-Quadratmeter-Häuschen auch nur 1.800 Euros. An Arbeitern für solche Projekte mangelt es nicht – wohl aber an Koordinierung.

Der Manager Jacques Philippe Mondesir von der Hilfsorganisation Diakonie verweist auf ein weiteres Problem: “Die meisten Familien sind Mieter, sie besitzen keinen Baugrund. Dieses Problem gab es schon vor dem Erdbeben, jetzt verschärft es die Lage. Bis jetzt gibt es noch keine Lösung für Familien ohne Grundbesitz.”

Zu den ungelösten Wiederaufbauproblemen kommen zwangsläufig die sanitären Probleme hinzu. Dass ansteckende Krankheiten ausbrechen, ist unter solchen Bedingungen vorauszusehen.

In Haiti hat die Cholera mehr als 3.400 Menschenleben gefordert.

Astrid Nissen von der Hilfsorganisation Diakonie

spricht auch zuerst die zerstörten Strukturen für Trinkwasser- und Sanitärversorgung an.

Das schaffe zwangsläufig neue Schwerpunkte, egal, wo man mit dem Wiederaufbau beginne.

Diese Strukturprobleme könnten jederzeit neue Schwierigkeiten heraufbeschören – so wie man es im Moment bei der Cholera sehe. Darauf müsse man sich einstellen.

Ob Organisation oder politischer Wille, ob ungelöste Eigentumsfragen oder fehlende sanitäre Einrichtungen – ein Jahr nach dem Beben zeigt sich, dass die ersten Pläne zur Überwindung der Folgen viel zu optimistisch waren.