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Haiti - wie am 12. Januar 2010 das Beben kam

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Haiti - wie am 12. Januar 2010 das Beben kam

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Der Tag, an dem der Staub die Sonne verschluckte.

Die Überwachungskamera am Präsidentenpalast von Port-au-Prince war Zeuge. Am 12. Januar 2010, kurz vor 17 Uhr am Nachmittag. Es war ein Beben der Stärke 7 auf der nach oben offenen Richter-Skala.

Innerhalb von Sekunden starben Tausende, Zehntausende, erschlagen von bestendem Beton.

Helfer – oft hilflos angesichts der elementaren Gewalt. Einer erzählte: “ Ich war am Lottoladen, hörte das Grollen des Bebens, sah Leute wegrennen und ein Haus über anderen zusammenbrechen. Da lagen überall Tote. Ich stolperte über einen, fiel hin, rappelte mich auf und sah gleichzeitig, wie mein Haus einstürzte.”

Dies hier war eben noch die Kathedrale.

Ein brasilianischer Soldat der in Haiti stationierten UN-Mission stand davor. Er berichtete: “ Diese Kirche stürzte ein, das fiel alles auf uns herunter….”

Nur Sekunden später zeichnete die Kamera Bilder von Trümmerteilen auf. Dazu staubbedeckte Menschen, zwischen Trümmern herumirrend….oder auf die Knie gesunken Gott um Hilfe anflehend…

Eine Woche später berichtete eine 69jährige Frau vom Entsetzen, als sich fallende Steine zwischen sie und die Welt da draußen legten. Nur ein Prasseln habe sie gehört, sei auf die Knie gefallen….und Schluß. Dann habe sie das Bewußtsein verloren. Als sie wieder zu sich kam, habe nur Steine über sich wahrgenommen.

7 Tage und 7 Nächte lag sie so…

Für ihre Retter grenzte es an ein Wunder, dass sie überleben konnte. Javier Vázquez, der mexikanische Helfer, fassungslos vor Freude, sprach von dem Moment, als zwischen den Steinen eine Hand die seine berührte…es habe sich angefühlte, als berühre ihn Gott persönlich.

Geküsst habe er die staubige Hand und eine Stimme nannte ihn “ mein Sohn”. Zusammen mit anderen aus Cancun und aus Südafrika konnten sie die Stelle freiräumen und die Frau herausholen.

Mehr als 200.000 Menschen konnte niemand mehr helfen. Leichen bedeckten die Straßen. Sie wurden in Massengräbern mehr entsorgt als bestattet, um Krankheiten zu vermeiden. Viele ohne dass jemand Namen festhalten konnte.

Die Überlebenden richteten sich unter Plastikplanen ein, viele verletzt, notdürftig versorgt.

An entschlossenem Aufbauwillen fehlt es den Menschen in ihrem kaum funktionierenden Staat ein Jahr danach vor allem.