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Gründe für den Volkszorn in Tunesien

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Gründe für den Volkszorn in Tunesien

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Demonstranten in Paris und Marseille rufen “Ben Ali – Mörder….” Gemeint ist der tunesische Staatspräsident Zine el-Abibine Ben Ali.

Die Tunesierin Saida sagt:

“ Man kann nicht auf eine Regierung zählen, die aus gefälschten Wahlen hervorging. Seit 20 Jahren haben wir immer den selben Präsidenten.

Solange das Wirtschaftswunder wirkte, ging das.

Solange es eine Mittelklasse gab. Aber heute lässt sich das soziale Elend nicht mehr verstecken.

Da hilft ein demokratischer Staat, ein Rechtsstaat.”

Ben Ali, gegen den sich der heutige Volkszorn richtet, trat 1987 als Reformer an. Er vertrieb den greisen, auf Lebenszeit gewählten ersten Präsidenten Habib Bourgiba aus dem Amt und versprach Demokratie und soziale Gerechtigkeit.

Demokratie gab es nie. Inzwischen hat sich Arbeitslosigkeit zur sozialen Katastrophe entwickelt. Besonders schlimm trifft es die jungen Tunesier. Ein junger Mann in Tunis sagt sarkastisch:

“Wir haben einen guten Präsidenten, der bloß redet und nichts tut. Immer nur reden. Resultate sehen wir nie. Er sagt, man wird der Jugend Arbeit geben, man wird, immer nur, man wird…..aber nichts wird.”

Die Arbeitslosenrate wird offiziell mit 13,3 % angegeben. Das ist der Durchschnittswert für das ganze Land. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit dürfte mancherorts sehr viel höher liegen. Laut IWF ist die Tendenz insgesamt: rasant steigend.

Nach tunesischen Regierungsangaben lag das Wirtschaftwachstum 2010 bei 3,7 % und für 2011 werden gar 5,4 % erwartet.

Tunesien gilt immer noch als das Land in Afrika mit dem höchsten Lebensstandard. Nur klafft auch da die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Was die Menschen so erzürnt – ohne Korruption ist kaum noch ein guter Arbeitsplatz zu bekommen. Der ehemals dynamische Vorzeigestaat in der Region leidet auch, weil die Krise seinen wichtigsten Wirtschaftspartnern zusetzt.

Mehr als 76 % aller Ausfuhren gehen in die Europäische Union, und auch beim Import ist die EU mit mehr als 72 % der wichtigste Partner

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hat dabei den Löwenanteil. Daher auch der Staatsbesuch des französischen Präsidenten Sarkozy bereits in dessen erstem Amtsjahr. 2009 bezog Frankreich aus Tunesien Waren im Wert von 3,2 Milliarden Euro.