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Ben Ali "lässt Amtsgeschäfte ruhen" - er soll Tunis verlassen haben

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Ben Ali "lässt Amtsgeschäfte ruhen" - er soll Tunis verlassen haben

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In Tunesien herrscht Ausnahmezustand. Präsident Zine al-Abidine Ben Ali könne seine Amtsgeschäfte nicht wahrnehmen, sagte Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi im staatlichen Fernsehen.

Er nehme das Präsidentenamt bis auf Weiteres selbst wahr, erklärte der Chef der aufgelösten Regierung.

Ben Ali hatte eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Angeblich hat er das Land bereits in Richtung Paris verlassen.

Zuvor hatte er die Regierung aufgelöst und Parlaments-Neuwahlen in den kommenden sechs Monaten versprochen. Sie waren ursprünglich zusammen mit der Präsidentschaftswahl im Jahr 2014 geplant. Außerdem sollten die Presse frei und der Internetzugang nicht länger zensiert werden. Die Sicherheitskräfte hielt er zu weniger Gewalt an – offenbar ohne Erfolg.

In der Hauptstadt Tunis forderten dennoch bis zu 200 000 Menschen den Rücktritt des 74 Jahre alten Präsidenten. Polizei vertrieb sie mit Tränengas.

Gestern hatten Menschenrechtsorganisationen von 66 Toten gesprochen, seither sollen mindestens 13 Menschen in Tunis umgekommen sein.

Der Luftraum über Tunesien ist gesperrt, der Flughafen in Tunis abgeriegelt und von der Armee umstellt. Mehrere Augenzeugen berichteten von angerückten Panzern.

Die Unruhen haben auf die Provinz übergegriffen und auf Touristenziele wie den 60 Kilometer südlich von Tunis gelegenen Badeort Hammamet. Läden wurden geplündert, eine Polizeiwache verwüstet.

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