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Libanon - ein Land auf des Messers Schneide

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Libanon - ein Land auf des Messers Schneide

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Der Präsident des Libanon, der Christ Michel Suleiman dürfte ein unruhiges Wochenende vor sich haben. Denn ab Montag muss er sich auf die Suche nach einem neuen Regierungschef machen. Solche Konsultationen mit den im Parlament vertretenen Parteien sind nirgendwo eine einfache Sache. Im Libanon aber macht die religiöse Balance alles noch schwieriger.

Der Präsident muss immer ein Christ sein, der Regierungschef ein sunnitischer Moslem.

Man erinnere sich: Die Bildung der jetzt gescheiterten Regierung unter Saad Hariri hatte 5 Monate gedauert.

Diese typisch libanesische Ausgewogenheits-Arithmetik engt die Möglichkeiten sehr ein.

Da verwundert es nicht, wenn auf den Straßen von Beirut und in den Zeitungen Skeptizismus vor herrscht.

“ Die Regierung war doch von Anfang an in politischen Kämpfen paralysiert,” sagt der Mann auf der Straße. Da stelle sich doch jetzt die Frage, wie bei der gleichen Sitzverteilung im Parlament, beim gleich Verhältnis von pro und contra, eine andere Regierung herauskommen soll. Diese Bürger findet das sehr schwierig.

Die von der Hisbollah dominierte Opposition hat Regierungschef Saad Hariri zu Fall gebracht.

Ein Vorschlag für eine neue Regierung war aus dieser Richtung bisher aber noch nicht zu hören.

Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah will erreichen, dass das UN-Sondertribunal zum Mord an Hariris Vater Rafik nicht weiter gegen Politiker aus seinem Lager ermittelt. Nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 war die Hisbollah die einzige Gruppierung, die ihre Waffen behalten durfte. Um gegen Israel Widerstand zu leisten, lautete die Begründung.

Damit bekam diese eine schiitische Fraktion in dem sensibel auf ein Gleichgewicht der Religionen ausgerichteten Staat mehr Macht als die Armee.

Nach Ansicht des Analysten Hilal Khashan haben die Spannungen noch nicht ihren Höhepunkt erreicht.

Er erwarte Demonstrationen, bei denen die Lage aber nicht außer Kontrolle geraten werde.

Er glaubt nicht, dass die Hisbollah oder andere Teile der Opposition ein militärisches Vorgehen zur Übernahme der Macht ins Auge fassen.

Das würde bedeuten, die größte Sorge der Libanesen ist für den Moment unbegründet.

Es droht kein neuer Bürgerkrieg.

Für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes kann aber auch eine monatelange Regierungskrise nicht förderlich sein.