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Führungswechsel bei Frankreichs Rechtsradikalen

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Führungswechsel bei Frankreichs Rechtsradikalen

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Vater Jean-Marie Le Pen kennt Europa spätestens, seit er die Gaskammern der Nazis ein “historisches Detail” nannte. Tochter Marine Le Pen sitzt bereits neben dem Vater im Europaparlament.

An diesem Wochenende will sie den Parteivorsitz von ihm übernehmen. Seit 7 Jahren bemüht sich die Anwältin und zweimal geschiedene Mutter von drei Kindern, Papas 1972 gegründeter rechtsradikaler Partei ein moderneres Image zu geben.

“Ich bin keine Kopie von Le Pen”, betont sie immer wieder.

Sie will die Partei aus der Ecke der kleinen Handwerker und Gewerbetreibenden heraus holen, sie attracktiv machen vor allem für die gering qualifizierten Arbeiter, die sich von einer kulturell hochmütigen Linken verachtet und von Sarkozy enttäuscht fühlen.

Dabei setzt sie auchauf traditionelle Werte, wie sie der Vater bei der alljährlichen Verehrung der Jeanne d´Arc beschwört: “Unabhängigkeit Frankreichs, Identität und Sicherheit der Franzosen, Zusammenhalt der nationalen Kräfte, starke in der Aktion gegen den Feind, Glaube an die Zukunft. … Sechs Jahrhunderte nach Jeanne d´Arc sind ihre Ziele die unseren”.

Vater Le Pen, heute 82, hatte vor 9 Jahren seinen größsten Erfolg: 2002 kam er bei der Präsidentschaftswahl in die 2. Runde –

der von ihm geschlagene sozialistische Kandidat Lionel Jospin zog sich daraufhin aus der Politik

zurück.

Bei den Parlamentswahlen 2007 bekam die Partei 4,2 % der Stimmen – bei den Regionalwahlen 2010 11,4 % . Und für die 1. Runde der Präsidentschaftswahlen 2012 werden Marine Le Pen 14 % vorausgesagt.

Sie argumentiert moderner als der Alte, wenn sie sagt, in Frankreich gebe es heute Orte, an “ denen es nicht gut ist, Frau zu sein, homosexuell oder Jude, nicht einmal französisch oder weiss”.

Dabei hält sie Präsident Sarkozy vor, Themen ihrer Partei zu übernehmen und fordert ihn auf, dann auch ihre Vorschläge umzusetzen.

So ganz einfach ist die dynastische Erbfolge bei Frankreichs Rechtsradikalen nicht, denn es dürfen auch nicht die alten Kameraden des Parteigründers verschreckt werden.