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Tunesien - der Tag danach

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Tunesien - der Tag danach

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Der Präsident ist weg, seine – oft bewaffneten – Anhänger sind noch da. In Tunesien herrschen nach dem Abgang von Zine El Abidine Ben Ali gespannte Ruhe und Angst.

In der Hauptstadt Tunis war die Nacht unruhig, die Menschen berichten von Plünderungen und Gewalttaten der sogenannten Ali-Milizen. Gebäude brannten, offenbar auch der Zentralbahnhof in Tunis.

Die Milizen bestehen aus Ben Ali-Anhängern, die von Sicherheits- und Repressionsjobs lebten.

Der Verfassungsrat ernannte Foued Mbazaa (77) zum Übergangs-Präsidenten. Er sei auch schon vereidigt, so das Staatsfernsehen. Mbazaa soll Neuwahlen vorbereiten.

Nach wochenlangen, gewaltsam niedergeschlageneen Protesten war Ben Ali gestern ins saudische Exil abgereist.

Für viele Tunesier beginnt jetzt die Bewältigung des letzten Vierteljahrhunderts.

Eine Frau:

“Guten Morgen, unser Morgen gut, solange Tunesien tapfere Männer hat. Ja, Tunesien geht’s gut.”

Drei Männer:

“Die haben uns unser unser Geld weggenommen, unser Geld. Die haben unsere Kinder zu Waisen gemacht. Die haben uns 23 Jahre lang massakriert und mundtot gemacht.”

“Das ist der größte Diktator auf der Welt, unerreicht in der Geschichte. Dieser General hat ein Vermögen gemacht zusammen mit der Familie seiner Frau, auf Kosten des Blutes unserer Märtyrer in Sidi Bouzid, El Kef, Jandouba, el Gesrin.”

In diesen Städten hatten die Unruhen begonnen.

“Wir wollen einen neuen Präsidenten. Einen, der sich um dieSorgen der Tunesier kümmert, um die Armen, die Arbeit suchen.”

Laut WikiLeaks bezeichneten US-Diplomaten das Regime als Polizeistaat. Auf 40 erwachsene Tunesier soll ein Polizist kommen. Viele fürchten jetzt schreckliche Wahrheiten, etwa über Gefängnisse in der Wüste, in denen die Temperatur regelmäßig über 50 Grad steigen soll und über verschwundene Häftlinge, die Amnesty International seit Jahren beklagt.

Jamal Ezzeddini, euronews:

“Nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Ben Ali verharrt Tunesien in angespannter Ruhe und wartet ab. Jeder hofft, dass das Land nach den harten Momenten bald wieder zu Ruhe und Stabilität zurückfindet.”

Die Polizei hat das Zentrum von Tunis abgeriegelt. Die Beamten errichteten Straßensperren, das Aufgebot an Sicherheitskräften wurde verstärkt. Die tunesischen Flughäfen sind inzwischen wieder geöffnet.