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Tunesien vor dem Neubeginn

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Tunesien vor dem Neubeginn

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Dass der Präsident aus dem Land flieht, ist ein Erfolg, wie ihn wohl kaum einer im Land für möglich gehalten hat. Seit einer halben Ewigkeit regierte Zine el Abidine Ben Ali in Tunesien; viele Menschen in dem nordafrikanischen Land kannten faktisch kaum noch ein anderes Staatsoberhaupt.

Fast über Nacht ist Ben Alis Macht nun zusammengebrochen; noch am gleichen Tag hatte er

erneut versucht, die Massen mit Zugeständnissen zu besänftigen. Umsonst: Das tunesische Volk habe keine Angst mehr, sagt die Oppositionspolitikerin Mayy Jribi. Es fordere Freiheit,

Gleichheit und Würde.

Zu groß war der Druck der Straße geworden; viele Tunesier hatten die quasi diktatorische Herrschaft Ben Alis und die Selbstbedienung seiner Sippschaft satt – zumal jetzt auch der wirtschaftliche Erfolg seiner Politik ausblieb.

“Ich hoffe, dass die Forderungen jetzt auch Erfolg haben”, sagt ein Mann; “nicht nur was die Arbeitslosigkeit angeht, sondern auch Korruption und Vetternwirtschaft und diejeingen, die über ihre Verhältnisse leben.”

“23 Jahre Unterdrückung und Unrecht”, meint ein anderer; “die Leute müssen sich von diesem Diktator befreien. Das Volk muss diese Last abschütteln.” – “Das geht an alle Völker der Welt”, sagt eine Frau; “habt vor den Diktatoren keine Angst!”

Wie brutal die Sicherheitskräfte gegen die Protestierenden vorgingen, hatte auch das Ausland empört. Sogar nach Regierungsangaben wurden während der wochenlangen Unruhen mehr als zwanzig Menschen getötet: Menschenrechtler kommen auf ein Mehrfaches dieser Zahl.

Jetzt haben es die Tunesier in der Hand, etwas Neues, Besseres zu wagen.